Tag 7 – Mallorca mit dem Rennrad 2015

  • Start gegen 8:00 Uhr aus Port de Soller
  • Ziel: Refu­gi de Mul­e­ta, Port de Soller
  • Zwi­schen­ziel: Soller, Deja, Port de Vall­de­mos­sa, And­ra­tx
  • Stre­cke: ca. 151km
  • Höhen­me­ter: 5500
  • Stre­cke auf Stra­va anschau­en

Früh­stück im Refu­gi – Kalo­ri­en­tech­nisch ein Desas­ter. Wir kön­nen es kaum erwar­ten, einen klei­nen Abste­cher nach Soller zu machen, um unse­ren Pro­vi­ant etwas auf­zu­sto­cken. Die heu­ti­ge Tour haben wir kaum durch­ge­plant. And­ra­tx steht als Wen­de­punkt fest, alles ande­re über­le­gen wir uns wäh­rend der Fahrt. Na obwohl: Port de Vall­de­mos­sa wol­len wir noch anfah­ren. Also, es geht los!

In Soller fah­ren wir einen Super­markt an, in dem wir alle mög­li­chen Kalo­ri­en­bom­ben sowie Was­ser­vor­rä­te ein­kau­fen. Der Ein­kauf wird in den Ruck­sä­cken ver­staut und schon sind wir im Kriech­gang in Rich­tung Deja unter­wegs. Bereits zu Beginn erwärmt sich unse­re Bein­mus­ku­la­tur mit Stei­gungs­gra­den von durch­schnitt­lich 12,2% auf. Land­schaft­lich gese­hen bie­tet die­ser Abschnitt wenig Reiz­vol­les. Doch, dass sich das bald ändern wird, wis­sen wir bereits jetzt schon.

Nach dem Erklim­men der ers­ten gro­ßen Stei­gung erbli­cken wir das Meer, die Moti­va­ti­on schiebt ordent­lich an und wir genie­ßen die ers­te kur­ze Abfahrt bis Deja. Super!

Mallorca Rennrad Tag 7

Ab Deja müs­sen wir etwas krie­chen, um die 410 Höhen­me­ter zu erklim­men, die vor uns lie­gen, und errei­che nach etwa 28 Kilo­me­tern den Start­punkt für die Abfahrt nach Port de Vall­de­mos­sa.

Mallorca Rennrad Tag 7
Da unten wol­len wir hin — Port de Vall­de­mos­sa, wir kom­men!

2013 haben wir jene bereits getes­tet und für gut befun­den. Die Stra­ßen­ver­hält­nis­se machen die Abfahrt sehr span­nend. Zwei sich ent­ge­gen­kom­men­de Fahr­zeu­ge kön­nen kaum an ein­an­der vor­bei. Es gibt etli­che 180° Kur­ven, die an den Rän­dern nicht befes­tigt sind und aus dem Asphalt her­aus­ra­gen­de Baum­wur­zeln sind eben­falls kei­ne Sel­ten­heit.

Hey! Aber Spaß muss sein! Selbst­ver­ständ­lich mit viel Vor­sicht und Bedacht neh­men wir die­se Her­aus­for­de­rung an und kom­men inner­halb weni­gen Minu­ten im Hafen des klei­nen Ört­chens an. Wir grü­ßen kurz das Mee­res­rau­schen und set­zen uns in das an der Haupt­stra­ße gele­ge­ne Café. Kaf­fee!

Mallorca Rennrad Tag 7

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Hal­lo Port de Vall­de­mos­sa
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Und weils so schön ist, noch eines…
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Hier bei der obli­ga­to­ri­schen Tas­se Kaf­fee

Man merkt, hier haben wir noch viel Ener­gie, um Fotos zu schie­ßen. Im wei­te­ren Ver­lauf wer­den es immer weni­ger, denn es wird eine lan­ge, eine sehr lan­ge Tour…

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Tschüss Vall­de­mos­sa

Wir ver­las­sen Port de Vall­de­mos­sa, arbei­ten uns die Ser­pen­ti­nen wie­der hoch und stei­gen wei­ter auf, so dass wir den Mole­tó de son Cabasp­re bei 505 Höhen­me­tern pas­sie­ren. Dar­auf folgt eine län­ge­re Abfahrt bis Ban­yalb­uf­ar. Das auf und ab Spiel setzt sich nun fort bis And­ra­tx, stets beglei­tet von monu­men­ta­len Aus­bli­cken und schweiß­trei­ben­der Bein­ar­beit.

Mallorca Rennrad Tag 7

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Wel­co­me to And­ra­tx

And­ra­tx errei­chen wir nach etwa 6 Stun­den und 80 Kilo­me­tern auf und ab. Das ist schon nicht ohne. Wir legen eine Pau­se auf dem Hof des Ajun­ta­ment d’Andratx ein und stop­fen uns voll mit den Kalo­ri­en aus Soller. Zu lan­ge darf die Pau­se lei­der nicht sein, denn der Rück­weg muss auch noch bewäl­tigt wer­den. Ein kur­zes Über­schla­gen unse­res kör­per­li­chen Befin­dens und der mög­lichst schnel­len Stre­cke zurück zum Port de Soller ver­rät uns, dass es knapp wer­den könn­te. Knapp im Sin­ne von: Hey, es könn­te sein, dass wir im Dun­keln ankom­men und hey, wir haben ja gar kein Licht am Fahr­rad und hey, wenn die Son­ne weg ist, dann wird’s auch recht schnell kühl.

Lan­ge Rede, kur­zer Sinn: wir ent­fer­nen uns bereits im Eil­tem­po vom And­ra­tx auf der Car­re­er Estany­e­ra in Rich­tung es Cap­del­la. Und nun folgt, wird uns defi­ni­tiv für immer in Erin­ne­rung blei­ben. In der Hoff­nung den kür­zes­ten Weg gewählt zu haben, sind uns die zu bezwin­gen­den Höhen­me­ter nicht auf­ge­fal­len. Und die­se haben es auf die­sem Stre­cken­ab­schnitt in sich. Wenn die Bei­ne wie die Höl­le bren­nen, die Zeit drängt und vor einem sol­che „Hin­der­nis­se“ auf­tau­chen:

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Round and round an up it goes.…

… dann stößt man schon das eine oder ande­re Mal einen Fluch aus.

Mallorca Rennrad Tag 7

Die Gegend ist schön, das Wet­ter eben­falls, auch die Stra­ßen­ver­hält­nis­se sind top, aber die­se Höhen­me­ter, die­se qua­si aus dem nicht ragen­den Hügel­chen, die man müh­sam erklim­men muss, immer wie­der – Ein­fach nur krass!

Kurz vor Espor­les haben wir die Mög­lich­keit auf die Stre­cke Rich­tung Port de Val­de­mos­sa zu kom­men. Wir ver­zich­ten, da wir uns gera­de auf einen leich­ten Abfahrts­stre­cke befin­den und durch Espor­les durch­rau­schen, um in s’Esleieta fest­zu­stel­len, dass es aus zeit­tech­ni­schen Grün­den doch Sinn macht wie­der auf die Stre­cke zu kom­men, die uns über Deja zurück nach Soller führt. Dafür müs­sen wir jedoch durch Vall­de­mos­sa Stadt und das bedeu­tet wie­der­um, dass es wir berg­auf geht. Wir sind bereits seit über neun Stun­den unter­wegs, haben über 5000 Höhen­me­ter in den Bei­nen, der Hun­ger klopft bereits an und die Son­ne beginnt ihren Sink­flug zum Hori­zont.

Unse­re Moti­va­ti­on lau­tet nun: Egal wie­viel Kraft es kos­tet, wir müs­sen Port de Soller vor Anbruch der Dun­kel­heit errei­chen. Sonst wird’s wirk­lich span­nend. Wir kämp­fen uns die Car­re­te­ra de Vall­de­mos­sa hoch und wech­seln uns alle zwei Minu­ten in der Füh­rungs­po­si­ti­on ab, um wenigs­tens etwas Kraft zu spa­ren.

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Win­ke win­ke Val­de­mos­sa

Geschafft, wir errei­chen Val­de­mos­sa Stadt nach etwa 9:45 Stun­den und 125 Kilo­me­tern. Es folgt eine Abfahrt, eine Wohl­tat für Kör­per und das Gemüt. Wir ruhen uns jedoch nicht aus, son­dern hal­ten ein Durch­schnitts­tem­po von etwa 50 km/h. Dass wir zeit­wei­se auch die 70 km/h tan­gie­ren, ver­ra­ten wir aber nie­man­dem. Bei Kilo­me­ter 140 erklim­men wir den letz­ten grö­ße­ren Anstieg und rasen wie­der berg­ab nach Soller. Es beginnt zu däm­mern. Wir haben es fast geschafft. Bis zum Hafen ist’s nicht mehr weit.

Mit den letz­ten Son­nen­strah­len errei­chen wir Port de Soller, schrau­ben uns hoch zum Refu­gi und duschen heiß, um die Müdig­keit aus den Kno­chen zu bekom­men. Ach ja, etwas zu essen wäre doch auch mal nett. Lei­der gibt es hier oben nichts mehr. Macht nix. Ger­ne schwin­gen wir uns noch­mal auf die Bikes, um in der Fins­ter­nis noch­mal zum Hafen zu fah­ren und ein Lokal auf­zu­su­chen.

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Auf das Mahl war­ten wir eine gefühl­te Ewig­keit und es ist ent­ge­gen der gro­ßen Ankün­di­gung in der Spei­se­kar­te deut­lich weni­ger, als gedacht. Für den Moment reicht es den­noch.

Mit den aller­letz­ten Kräf­ten schlie­ßen wir den Tag mit einer Tages­di­stanz von etwa 151 Kilo­me­tern und 5502 Höhen­me­tern ab. Das Ein­schla­fen fällt uns sehr leicht.