Mallorca mit dem Rennrad umrunden — Der Bericht

Hier sieht man die Strecke, die wir auf Mallorca gefahren sind.
Hier sieht man die Stre­cke, die wir auf Mal­lor­ca gefah­ren sind.

Auf geht’s!

Eine klei­ne Pas­si­on fürs Renn­rad­fah­ren und die Sehn­sucht nach erfül­len­dem Aktiv­ur­laub konn­ten nur zu einem Ergeb­nis füh­ren: Renn­rad­fah­ren auf Mal­lor­ca. Vom Ent­schluss bis zum tat­säch­li­chen Abflug ist es jedoch ein wei­ter Weg. Die­ser doch sehr detail­rei­che Bericht soll die Lust für Nach­ah­mung wecken. Mit einem nicht uner­heb­li­chen Erfah­rungs­schatz soll er eine Hil­fe für Pla­nung sein und eine Ori­en­tie­rung auf Mal­lor­ca, la isla boni­ta, la isla con mil secre­tos, vor allem la isla de bici­cle­ta. Und letzt­lich bil­det er eine Art Erin­ne­rung an eine unglaub­li­che Woche vol­ler Höhen und Tie­fen im Sat­tel zwi­schen Sa Calo­bra und Cap de Sali­nes, zwi­schen Cala Rat­ja­da und Sant Elm.

Die Verfasser

In der Fahr­rad­hoch­burg Müns­ter woh­nend, haben wir vor einem guten Jahr ange­fan­gen regel­mä­ßig zum Berufs­aus­gleich mit dem Renn­rad Aus­fahr­ten zu machen. Wir begeis­tern uns für Sport, gehen ger­ne Klet­tern und erfreu­en uns an Fit­ness­trai­ning am TRX in der Son­ne. Als ers­tes Wett­kampf­ren­nen wur­de der Giro 2012 auf einer Distanz von ca. 106 km ange­gan­gen. Mit unse­rer Leis­tung sicht­lich zufrie­den, fuh­ren wir durch die Ziel­ge­ra­de. Der Giro 2013 stand nun in wei­ter Fer­ne und lei­der auch das Renn­rad­fah­ren: die Fahr­rä­der muss­ten erst mal in die Win­ter­pau­se — deut­schen Wet­ter­ver­hält­nis­sen sei an die­ser Stel­le gedankt.

In der nicht enden wol­len­den Win­ter­pau­se — Aus­fahr­ten in Ther­mo­wä­sche mit Fuß­über­zie­hern und wind­dich­ten Hand­schu­hen lock­ten uns nicht — war die Sehn­sucht mit Son­ne im Rücken im Sat­tel zu sit­zen und den Fahrt­wind im Gesicht zu spü­ren zu mäch­tig. Drum: Auf nach Mal­lor­ca!

Die ers­te Goog­le-Suche mit Stich­wor­ten wie “Renn­rad Mal­lor­ca” und man stößt auf Bicy­cle Holi­days Max Hür­ze­ler. Fer­tig durch­ge­plan­te Rad­ur­lau­be in Grup­pen — vom gemüt­li­chen Insel­er­leb­nis mit kul­tu­rel­len Höhe­punk­ten bis hin zur rein sport­li­chen Vor­be­rei­tung je nach Leis­tungs­fä­hig­keit. Ein Pro­gramm, das mit Hotel­ser­vice, Infor­ma­ti­ons- und Ani­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen abge­run­det wird. Doch wir sind kei­nes­wegs pla­nungs­faul und das Inter­es­se ist sehr groß, dass sich uns die Insel von ihrer spa­ni­schen Sei­te vor­stellt — und nicht schwit­zer Dütsch. So kön­nen wir das Hür­ze­ler-Pro­gramm nicht beur­tei­len — aber man kann man sich selbst eine Mei­nung mit­tels Inter­net­auf­tritt bil­den und die­se Form des Rad­ur­lau­bes aus­pro­bie­ren.

Für uns also das Aben­teu­er auf eige­ne Faust! Dem Regen in Müns­ter ent­flie­hen wir zu einem Kaf­fee und in Gedan­ken schon in die Son­ne der Insel. Nahe­lie­gend, dass es nur eini­ge Kaf­fees und Bli­cke in den düs­te­ren Him­mel benö­tigt, um Flü­ge ver­bind­lich zu buchen. Aus der Idee soll­te nun also tat­säch­lich der Renn­rad-Urlaub auf Mal­lor­ca wer­den.

Bei der Pla­nung kom­men eini­ge Grund­fra­gen auf — eige­nes Renn­rad mit­neh­men oder eines vor Ort mie­ten, Unter­künf­te und Etap­pen von zu Hau­se fest­le­gen oder doch ein Start in das Unge­wis­se wagen, Gepäck wäh­rend der Tou­ren mit­füh­ren oder stern­ar­tig Rund­stre­cken wäh­len. Der bereits ange­spro­che­ne Ver­an­stal­ter Bicy­cle Holi­days Max Hür­ze­ler bie­tet nicht nur durch­ge­plan­te Rei­sen an, der rei­ne Ver­leih der Fahr­rä­der, teils auch mit der Opti­on des anschlie­ßen­den Kau­fes, ist auch gege­ben.

Rennrad mitnehmen oder auf Mallorca mieten?

Kurz: Das Mie­ten der Räder hat sich in der Pro & Con­tra Abwä­gung klar durch­ge­setzt. Hür­ze­ler hat das Renn­rad­seg­ment auf der Insel klar im Griff, so wun­dert es nicht, dass wir auch mit Cube Alu-bikes von besag­tem Ver­an­stal­ter unter­wegs waren. Die tech­ni­sche Beschrei­bung der Fahr­rä­der soll zu einem spä­te­ren Zeit­punkt erfol­gen. Kurz­um: Für 7 Tage ist man für ca. 100 Euro mit Ver­si­che­rung auf Sturz oder Beschä­di­gung unter­wegs. Dieb­stahl ist jedoch nicht abge­si­chert, wes­halb wir ein ABUS Fahr­rad­schloss ein­ge­packt haben, das Kon­ni immer in sei­ner recht prak­ti­schen Rah­men­ta­sche mit­führ­te.

Ein kur­zer Check der Bil­lig­flug­an­bie­ter führ­te zum Ergeb­nis, dass sich die eige­ne Fahr­rad­mit­nah­me aus Kos­ten­grün­den, Abnut­zung, der Gefahr der Beschä­di­gung wäh­rend des Trans­por­tes und der Not­wen­dig­keit einer geeig­ne­ten Ver­pa­ckung (wie auch deren unge­klär­ter Ver­bleib wäh­rend der Fahr­ten auf der Insel) nicht lohnt. Zudem muss man geste­hen, dass man sicher mit dem eige­nen Rad in so manch einer Situa­ti­on etwas vor­sich­ti­ger umge­hen wür­de.

Die Flug­ti­ckets sind schnell gebucht, dank sport­li­cher Ambi­tio­nen benö­tigt man kei­ne aus­ge­fal­le­ne Abend­gar­de­ro­be — nur mit Hand­ge­päck aus­ge­rüs­tet fliegt man mit Ryan­air von Düs­sel­dorf Wee­ze aus für ca. 50 Euro hin und zurück.

Der Ruf Deutsch­lands Fahr­rad­stadt zu sein eilt Müns­ter vor­aus, das Umland bie­tet wun­der­schö­ne Stre­cken zum Rad­fah­ren. Und schnell ist man hier im Sat­tel der Stadt ent­flo­hen und genießt fast auto­freie Stra­ßen an Gehöf­ten vor­bei und grüßt Kühe mit einem pro­fes­sio­nel­len Nicken. In Punc­to Höhen­me­ter jedoch ist bis auf die ca. 30 km ent­fern­ten Baum­ber­ge nicht viel zu fin­den. Eine rea­le Ein­schät­zung der eige­nen Leis­tung auf der ber­gi­gen Insel unter medi­ter­ra­nen Tem­pe­ra­tu­ren ist schwie­rig. Ergo: ein gro­ßer Schluck Kaf­fee und der gewag­te Ent­schluss ent­ge­gen der hei­mi­schen Men­ta­li­tät das Aben­teu­er zu wagen und ohne Reser­vie­run­gen — abge­se­hen von den Renn­rä­dern — in den Renn­rad-Urlaub auf Mal­lor­ca zu star­ten.

Unsere Entschlüsse sind goldrichtig…

Die Frei­heit, erst vor Ort am Abend die nächs­te Etap­pe zu pla­nen und die Tageski­lo­me­ter nach dem eige­nen Kör­per­ge­fühl abzu­schät­zen, wäh­rend sich das war­me Essen setzt, ist eine Wohl­tat. Das Durch­le­ben der Eupho­rie und Vor­freu­de auf den nächs­ten Berg, die nächs­te Bucht, wäh­rend man den enden­den Tag bei Betrach­tung der Kar­te und der Bil­der Revue pas­sie­ren lässt, gibt einem ein inten­si­ves Emp­fin­den in vol­len Zügen zu leben. Und auch heu­te noch im ver­reg­ne­ten Müns­ter schwel­gen wir ger­ne in Gedan­ken auf Rädern über die Insel.

Wich­tig jedoch anzu­mer­ken, dass es in der Haupt­sai­son nicht rat­sam ist, mit unge­wis­ser Unter­brin­gung auf­zu­bre­chen. Der Urlaub kann so schnell von Erho­lung in Stress umschla­gen, wenn die Bei­ne müde sind und eine Her­ber­ge ungewiss/nicht in abseh­ba­rer Nähe ist. In der Neben­sai­son bie­tet die vom Tou­ris­mus gepräg­te Insel ein gro­ßes Ange­bot an Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten — häu­fig auch die Opti­on über den Preis zu ver­han­deln.

Unser Hun­ger auf Aus­fahr­ten in der Son­ne hat bei der Pla­nung die Mög­lich­keit von Regen auf der Insel sehr erfolg­reich ver­drängt — kurz­um, wir waren sehr ungüns­tig wäh­rend der 1,5 Regen­ta­ge, die uns tra­fen, aus­ge­stat­tet.

Die Vorbereitung

Nach eini­gen kur­zen Sit­zun­gen haben wir die wesent­li­chen Din­ge zum Mit­neh­men zusam­men­ge­stellt. Es muss­ten auf jeden Fall noch ärmel­lo­se Tri­kots sowie ein geeig­ne­ter Ruck­sack ange­schafft wer­den.

Gebrauch­te Tri­kots wur­den bei eBay besorgt. Ein paar Ruck­sä­cke in den Out­door Shops getes­tet. Der Vau­de Bike Alpin 30+5 ent­sprach unse­ren Wün­schen. Auch die­sen haben wir über die Auk­ti­ons­platt­form etwas güns­ti­ger erste­hen kön­nen.

Eine Woche auf Mallorca auf dem Rennrad — Was nimmt man denn nun wirklich mit?

Bei der Pla­nung des Gepäcks ist Effek­ti­vi­tät das Schlüs­sel­wort. Schnell trock­nen­de Funk­ti­on­s­klei­dung ist wohl das Wich­tigs­te: Die­se kann abends gleich in Ver­bin­dung mit der eige­nen Dusche gerei­nigt wer­den und ist am nächs­ten Mor­gen wie­der tro­cken.

Wir kürzten unsere geplante Liste auf das Notwendigste:

  • 2 kur­ze Renn­rad­ho­sen
  • 2 Renn­rad­tri­kots
  • 2 Paar Funk­ti­ons­so­cken
  • 2 Funk­ti­ons­un­ter­wä­sche (mög­lich auch mit zusätz­li­cher Pols­te­rung)
  • 2 fach Unter­wä­sche (außer­halb des Renn­rad­fah­rens)
  • 1 Funk­ti­ons­pull­over
  • 1 Wind­ja­cke (eine Renn­rad­re­gen­ja­cke wäre von Vor­teil)
  • Renn­rad­schu­he (+Cleats)
  • 1 Rad­bril­le mit Wech­sel­glä­sern
  • 1 Akku Lade­ge­rät MiPow
  • 1 230V USB Adap­ter
  • 1 Fahr­rad­schloss (kei­ne Dieb­stahl­ver­si­che­rung)
  • 1 Trink­fla­sche
  • Rad­licht für den Not­fall
  • Helm
  • Zahn­bürs­te
  • Pflas­ter
  • Schmerz­ta­blet­ten, Vol­ta­ren, Vol­ta­ren Dolo
  • Des­in­fek­ti­ons­spray

Sämt­li­che Dro­ge­rie­pro­duk­te und Arz­nei­mit­tel las­sen sich auch direkt auf der Insel bei Ankunft in Pal­ma erwer­ben. Es scheint, Apo­the­ken fin­det man so häu­fig wie Kir­chen in Rom. Wir haben dazu gekauft: Son­nen­creme, Zahn­pas­ta, Duschgel/Shampoo. Bei der nächs­ten Tour wer­den wir wohl kei­ne der genann­ten Dro­ge­rie­ar­ti­kel aus Deutsch­land mit­füh­ren son­dern erst vor Ort ein­kau­fen.

Der Flug

… star­tet von Düs­sel­dorf Wee­ze aus. Bei dem Ryan­air Spott­preis ist ein Abflug von einem nam­haf­ten Flug­ha­fen nicht zu erwar­ten. Die Anrei­se von Müns­ter aus erfolgt mit der deut­schen Bahn. Die vor­han­de­nen Ver­bin­dun­gen sind annehm­bar und rich­ten sich nach dem stünd­lich ver­keh­ren­den Bus vom Bahn­hof Wee­ze direkt an den Ter­mi­nal. Nach einer 190 minü­ti­gen Fahrt mit Bahn und Bus ist man an dem sehr über­schau­ba­ren Flug­ha­fen ange­kom­men. Übri­gens, das NRW Ticket ist bis zum Flug­steig gül­tig.

Der Check-In und die Sicher­heits­kon­trol­le gehen pro­blem­los über die Büh­ne. Ruck­sack als Hand­ge­päck muss nicht ein­mal gewo­gen wer­den. Den­noch an die­ser Stel­le der gut gemein­te Rat: mit leich­te­rem Gepäck hat man mehr Freu­de auf dem Fahr­rad. Auch Schwie­rig­kei­ten vor dem Start sind nicht gera­de wün­schens­wert. 😉

Der Flug nach Mallorca mit Ryanair
Der Flug nach Mal­lor­ca mit Ryan­air

Der Flug an sich ver­läuft rela­tiv unspek­ta­ku­lär. Wenig Luft­lö­cher, kei­ne kot­zen­den Babys. Also eher unty­pisch, aber kein Pro­blem. Liegt viel­leicht auch an der Neben­sai­son. Vom Flug­ha­fen San Juan de Dios geht es mit dem Bus (1,50 €) nach Pal­ma de Mal­lor­ca.  Die Linie 1 bringt einen an den Alt­stadt­ring an der Küs­ten­stra­ße und dann den Ring wei­ter über Pla­za Espa­na. Das Wet­ter: top!

Wir grin­sen über bei­de Ohren vol­ler Zufrie­den­heit und stie­gen bereits an der alten Stadt­mau­er aus, um zu Fuß die Stadt zu erkun­den und die Son­ne zu genie­ßen.

Palma — Here we are!

Ent­lang der Küs­te suchen wir nach der Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on, um uns mit einer Über­sicht zu den vor­han­de­nen Unter­künf­ten zu ver­sor­gen — Pal­ma hat meh­re­re teils aus­ge­schil­der­te Tou­ris­ten­bü­ros: Wir wur­den schließ­lich in der Innen­stadt an der Pla­ca de la Rei­na fün­dig. Uns wur­de unter ande­rem das in der Nähe gele­ge­ne Hos­tal Bra­va emp­foh­len. Der ers­te Anlauf in besag­ter Unter­kunft war auch erfolg­reich: Ein Zim­mer mit einem Bett für zwei für 30 Euro. Läuft alles wie geplant. Ein sehr mil­des Maß an Aben­teu­er, wenn man es so bezeich­nen darf. Ruck­sack ent­leert und raus in die Stadt. Kaf­fee­trin­ken, Son­ne genie­ßen — an der Biblio­thek, am Rat­haus, am Pla­ca Major vor­bei. Pla­ca d’Olivar Boxen­s­top im Super­mer­ca­do. Wei­te­re Plätz­chen, ver­win­kel­te Gäss­chen, fort­weh­rend Son­ne. Pla­ca de Fei­xi­na: Eine kur­ze Pau­se — ein paar Klimm­zü­ge und die Eigen­ver­pfle­gung. Anschlie­ßend kilo­me­ter­weit ent­lang der Küs­ten­pro­me­na­de und am Hafen vor­bei in sport­li­chem Schritt bis es Abend wird. Kurz­um: Wet­ter genie­ßen und sich gewahr wer­den, dass man im Urlaub ist. Den Kör­per von der Arbeit her­un­ter­fah­ren funk­tio­niert nicht mehr auf Knopf­druck.

Zu spät beginnt die Suche nach etwas Ess­ba­ren: Feh­ler Num­mer 1: Nie­mals lan­ge suchen, son­dern das zweit­bes­te Lokal anlau­fen. Kurz vor 23 Uhr stau­ben wir das letz­te Stück Piz­za am Pla­za de Espa­na ab, suchen das Hos­tal auf und genie­ßen noch eini­ge Stun­den die lau­ten Unter­hal­tun­gen der Ein­hei­mi­schen in den Stra­ßen, wäh­rend wir erschöpft aber rund­um zufrie­den ein­schla­fen. Eine traum­haf­te Tour liegt nun vor uns.

Abriss der Unter­kunft Hos­tal Bra­va: Schnell und unkom­pli­ziert, rela­tiv güns­tig, abso­lu­ter Hos­tel-Cha­rak­ter. Ver­hält­nis­mä­ßig sau­ber, ob Bett­la­ken oder Dusche am Flur, reicht für eine Nacht aber voll­kom­men. Ver­gleich­ba­re Alter­na­ti­ve mit etwas mehr Stadt­lärm ist direkt am Pla­za Espa­na zu fin­den, dort gibt es auch ein klei­nes Cafe mit der Opti­on eines Früh­stücks auf geschäf­ti­gem Platz.

Der Wecker klin­gelt am nächs­ten Tag um 8 Uhr — wir ste­hen aber noch nicht auf, es ist doch Urlaub! Gegen 10 Uhr suchen wir uns ein klei­nes Café. Zum Früh­stück gibt es einen beson­ders star­ken Kaf­fee, spa­ni­sches Ome­lett und ein Thun­fisch­ba­guette. Zu emp­feh­len ist der kur­ze Besuch des Mark­tes am Pla­za d’Olivar, jeden Mitt­woch gibt es fri­sches Obst, Gemü­se, Fisch und Tapas selbst­ver­ständ­lich auch.

Gut gestärkt errei­chen wir mit dem Bus das Hotel Gran Fies­ta, in dem Max Hür­ze­ler Bicy­cle Holi­days die Renn­rä­der zum Mie­ten zur Ver­fü­gung stellt. Die Daten­auf­nah­me ist flott erle­digt und nach einem Small­talk in typi­scher Renn­rad­am­bi­ti­ons­ma­nier (Auch unter Ben­zin­ge­sprä­chen abzu­tun) und dem Erwerb einer Rad­kar­te, in der diver­se Rad­we­ge ver­zeich­net sind, packen wir unse­re Sachen in den Vau­de Alpin und star­ten unse­re Tour.

Eine ver­nünf­ti­ge Rad­kar­te ist sehr wich­tig, soll­te man die­se nicht schon in Deutsch­land  erwor­ben haben, so ist der Kauf bei Rad­mie­te für 8 Euro zu emp­feh­len.

Der erste Abschnitt — 108 km (Strecke bei endomondo ansehen)

Mallorca mit dem Rennrad: Plaja de Palma - Randa - St. Jordi
Mal­lor­ca mit dem Renn­rad: Pla­ja de Pal­ma > Cala Pi > Llucma­jor > Ran­da > St. Jor­di

Nach den For­ma­li­tä­ten klart das Wet­ter lang­sam auf und die Son­ne beginnt ihre Ener­gie in unse­re Kör­per und vor allem in die See­len zu über­tra­gen. Wir fah­ren zunächst in mäßi­ger Geschwin­dig­keit in süd­öst­li­cher Rich­tung ent­lang des Küs­ten­rad­we­ges. Hin­ter S’Arenal kom­men wir auf der gut aus­ge­bau­ten Stra­ße PMV 6014  bald zügig vor­an. Da das Meer uns jedoch lockt, ver­fah­ren wir uns ein bis zwei, drei, vier, sagen wir ein paar Mal.

Bucht von Cala Pi

Bald errei­chen wir das ers­te ange­streb­te Ziel “Cala Pi”. Die­ses Ört­chen bie­tet einen herr­li­chen Aus­blick auf eine klei­ne azur­blaue Bucht, etwa 50 Meter unter uns. Schnell wer­den die ers­ten Land­schafts­fo­tos geschos­sen. Und auch unse­re Zufrie­den­heit wird fest­ge­hal­ten.

Vol­ler Eupho­rie radeln wir wei­ter, jedoch bie­tet der Rest von Cala Pi einen sehr ernüch­tern­den Anblick. Die Gegend wirkt bei­na­he aus­ge­stor­ben — typisch Strand­dorf in der Vor­sai­son. Die Pracht­vil­len hin­ter hohen Mau­ern und ver­schlos­se­nen Toren kön­nen mit  ihren unzäh­li­gen unzu­gäng­li­chen Swim­ming­pools die­sen Ein­druck nur ver­stär­ken. Leicht ent­täuscht erhö­hen wir wie­der die Tritt­fre­quenz, voll­enden unse­re Run­de und ver­las­sen Cala Pi in rasan­tem Tem­po.

Das nächs­te anvi­sier­te Ziel und wohl der Höhe­punkt der Tages­tour in mehr­fa­cher Hin­sicht ist der Puig de Ran­da, den wir durch das von ver­win­kel­ten  Stra­ßen gepräg­te Ört­chen Ran­da erklim­men. Ran­da errei­chen wir auf der schma­len, wun­der­vol­len und wenig befah­ren­den Stra­ße — Die­se ist unse­rer Kar­te zu ent­neh­men. Kurz vor der Stadt Llucma­jor fasst Wil­lis Hin­ter­rei­fen den fol­gen­den Ent­schluss: die Luft gehört raus. So kommt der mit­ge­führ­te Schlauch frü­her als gedacht zum Ein­satz. Rei­fen­pan­nen gehö­ren zum Renn­rad­fah­ren wie die lebens­läng­li­che T-Shirt­bräu­ne. Wäh­rend Wil­li geübt den Rei­fen wech­selt, assis­tiert Kon­ni — bedacht die Minu­ten sinn­voll zu nut­zen — durch die Redu­zie­rung des Pro­vi­ants. Vor der Auf­fahrt fah­ren wir einen Super Mer­ca­do in Llucma­jor an, um uns mit Was­ser­vor­rä­ten ein­zu­de­cken. Mehr Gepäck bedeu­tet mehr Anstren­gung — in unse­ren Augen vol­ler Opti­mis­mus ein höhe­rer Trai­nings­grad. Es ist anzu­ra­ten, immer aus­rei­chend Was­ser­vor­rä­te und ein wenig Ener­gie (Ener­gy­drink) für den Not­fall zu haben.

Und dann geht’s ab… ehm, wohl eher auf. Mit etwa 10–15 Stun­den­ki­lo­me­ter schlei­chen wir auf den Berg Ran­da, uns mit dem Spruch “Ran da!” zum fes­te­ren Antritt moti­vie­rend. Mit den Renn­rä­dern und Gepäck einen Berg erklim­men — eine sehr span­nen­de Erfah­rung! Ran­da stellt auch das ers­te Berg­trai­ning zur Vor­be­rei­tung auf Sa Calo­bra und Puig Major da. Ein Genuss, die Ser­pen­ti­nen die­ser Stra­ßen­schlan­ge wie eine Loko­mo­ti­ve hoch­zu­schnau­fen, schma­le Kur­ven und ein Anblick, der mit stei­gen­den Höhen­me­tern mehr und mehr begeis­tert.

Ausblick kurz vor dem Höhepunkt
Aus­blick kurz vor dem Höhe­punkt

Oben ange­kom­men! Leicht ver­schwitzt, doch mit einem brei­ten Grin­sen im Gesicht, las­sen wir uns bei einem Kaf­fee nie­der. Ent­span­nung, Freu­de, Aben­teu­er! Und vor allem Vor­freu­de auf die anste­hen­de Abfahrt. Die­se wird anfangs noch eher zag­haft ange­gan­gen. Nur weni­ge Kur­ven spä­ter flie­gen wir nach außen völ­lig gelas­sen, inner­lich aber ein nicht enden wol­len­des ¡viva! schrei­end die Stra­ßen­keh­ren hin­ab. Schnel­ler als uns lieb ist, fien­den wir uns wie­der am Berg­fuß und set­zen unse­re Tour fort.

Die Abfahrt von Randa - Spaß pur!
Die Abfahrt von Ran­da — Spaß pur!

Der nörd­lichs­te Punkt für die­sen Tag liegt nun hin­ter uns. Es geht wie­der süd­wärts. In Sant Jor­di sollt die Ent­schei­dung getrof­fen wer­den, wie weit uns die­se Tages­etap­pe füh­ren soll. Für den ers­ten Teil fin­den wir wie­der eine schö­ne Neben­stra­ße und flie­gen mit 32 Stun­den­ki­lo­me­tern unse­rem Ziel ent­ge­gen. Flie­gen tut dann auch die GoPro, denn die nicht von GoPro stam­men­de Bil­lig­hal­te­rung hält der teils etwas unebe­nen Stre­cke nicht stand. Kla­res Mate­ri­al­ver­sa­gen und so springt die Kame­ra mit den eben erwähn­ten 32 kmh über den Asphalt — sie bleibt glück­li­cher­wei­se unbe­schä­digt, wenn man von den leich­ten Krat­zern am Gehäu­se absieht. Aber genau für die­se Momen­te ist die­se Kame­ra gemacht.

Den zwei­ten Stre­cken­ab­schnitt setz­ten wir auf der Haupt­stra­ße fort, denn es wird schon spät. Wir sind müde und hung­rig. In Sant Jor­di hält sich die Moti­va­ti­on, den Aus­flug noch fort­zu­set­zen, in Gren­zen und so über­zeugt uns das Hos­tal Doris mit sei­nem gepfleg­ten Hotel-Cha­rak­ter und der Aus­sicht auf erhol­sa­men Schlaf und üppi­ges Früh­stück. Nach der Dusche machen wir uns in som­mer­li­che Klei­dung auf die Suche nach einem geeig­ne­ten Restau­rant. Im klei­nen Super­markt kom­men Charme und die klei­nen Spa­nisch­kennt­nis­se zum Ein­satz: “Hola, ¿sabes don­de es un posi­bi­li­dad por un comi­da gran­de y no tan cos­to­sa? … Si, si, un restau­ran­te sin turis­tas por favor.”, Wie vie­le Feh­ler die­ser Satz ent­hält, kön­nen wir auch nur ver­mu­ten. Aber wir wer­den ver­stan­den, dre­hen dem Hafen den Rücken zu und suchen das — an die­sem Tag lei­der geschlos­se­ne  — rus­ti­ka­le Block­haus “Restau­ran­te Anto­nio” auf. Der Magen knurrt unent­wegt, dafür wer­den wir aber von  einem wun­der­vol­len Son­nen­un­ter­gang mil­de gestimmt.

Sonnenuntergang in Sant Jordi - Strake Tour, starker Ausblick
Son­nen­un­ter­gang in Sant Jor­di — Stra­ke Tour, star­ker Aus­blick

Ein Spa­zier­gang ent­lang der Pro­me­na­de ist selbst mit einem Hun­ger­ge­fühl ein Genuss. Eine rie­si­ge Pael­la wird schließ­lich am Hafen im Restau­rant Mari­sol geges­sen und ist von der Men­ge nicht zu bezwin­gen. Zur Freu­de einer Kat­ze, die sich schnell mit uns gut stellt. Über WiFi wer­den bei Face­book ein paar Fotos hoch­la­den. Der Bekann­ten­kreis in den ver­reg­ne­ten Win­keln der Welt soll schließ­lich Neid ver­spü­ren.

Das Hos­tal Doris hat eine gemüt­li­che Dach­ter­ras­se. Auf die­se set­zen wir uns wohl gesät­tigt mit einer Cola. Nur noch ein kur­zer Erfah­rungs­aus­tausch mit einer klei­nen Grup­pe kul­tur­ori­en­tier­ter Deut­scher und das Auf­hän­gen der vor­her in der Dusche gewa­sche­nen Klei­dung auf der Lei­ne und schon geht es ab ins Bett. Der Schlaf ist traum­haft!

Hos­tal Doris: Ca. 45 € / 2 Pers inkl. reich­hal­ti­gem Früh­stück, sehr sau­ber, sehr ange­nehm, gemüt­li­che Dach­ter­as­se

Die Son­ne weckt uns gegen 8 Uhr und lockt uns zum Früh­stück. Kon­ni ent­schei­det sich, sei­nen zwei­ten Kaf­fee auf der Dach­ter­ras­se zu genie­ßen. Oben sind wir uns fast einig, den Tag auf die­sem Dach zu ver­brin­gen — so schön ist es. Die Aben­teu­er­lust und auch eine gewis­se Ver­pflich­tung gegen­über selbst gesteck­ter Zie­le rufen jedoch zu den Rädern. Die Sachen wer­den gepackt und  die zwei­te Etap­pe beginnt.

Der zweite Abschnitt — 98km

  • Start: Colo­nia de Sant Jor­di (Hos­tal Doris)
  • Ziel: Por­to Chris­to (Hotel Mon­te Ver­de)

Im Enthu­si­as­mus über die ers­te Tour kön­nen wir die Auf­fahrt zum Klos­ter Sant Sal­va­dor kaum erwar­ten, die zwei­te Trai­nings­etap­pe zur Vor­be­rei­tung auf das Berg­mas­siv um Puig Major ver­spricht eine mode­ra­te Stei­ge­rung im Ver­gleich zum Klos­ter de Cura in Höhen­me­tern und Stei­gung.

Die zügi­gen Kilo­me­ter des ers­ten Abschnit­tes las­sen uns beim aus­ge­dehn­ten Früh­stück bereits mit dem Etap­pen­schluss Cala Rat­ja­da spe­ku­lie­ren. Im Augen­blick ahnen wir noch nichts von der Regen­wand, die unse­re Wege durch­kreu­zen soll. Gut genährt und mun­te­rer Lau­ne bre­chen wir nach einem kur­zen Mer­ca­do-Stop zu unse­rem ers­ten Tages­ziel auf: Den süd­lichs­ten Punkt der Insel anfah­ren, mit kur­zer Foto­do­ku­men­ta­ti­on, um dann eif­rigst auf Sant Sal­va­dor zuzu­steu­ern.

Die PM 610, die zum Cap des Sali­nes führt, ist in gutem Zustand, die Fahrt fast eben und etwas ein­tö­nig. Es gibt eini­ge Autos, die das­sel­be Ziel ansteu­ern. Für eini­ge Zusatz­ki­lo­me­ter stellt die­se Aus­fahrt eine Opti­on dar, jedoch gibt es inter­es­san­te­re Stein­küs­ten auf der Nord­hälf­te der Insel, so dass ein Aus­las­sen des süd­lichs­ten Punk­tes, an dem ger­ne Stein­türm­chen gebaut wer­den, ver­schmerz­bar ist.

Cap de Salines, der südlichste Punkt der Insel
Cap de Sali­nes, der süd­lichs­te Punkt der Insel

Wäh­rend der Rück­fahrt auf der PM 610 dür­fen wir wohl das ers­te mal auf den unheil­vol­len Him­mel auf­merk­sam gewor­den sein. Aus­weich­mög­lich­kei­ten haben wir kei­ne, ein Plan B in Rich­tung Unter­bre­chung der Fahrt für unge­wis­se Zeit kommt für uns nicht in Fra­ge, und so steu­ern wir unbe­ein­druckt unse­re Fahr­rä­der auf San­tanyi zu.

Ab durch den Sand...

Die gefah­re­ne Rou­te über die Stra­ßen Car­rer Mond­ra­go und Cami de Son Gar­rot eig­net sich wun­der­bar für eine zügi­ge Renn­rad­fahrt, ab und zu grü­ßen Scha­fe, und Zitrus­bäu­me wech­seln sich mit Oli­ven­bäu­men ab. Der dro­hen­de Regen sitzt uns im Nacken und so ist an eine Pau­se nicht zu den­ken. Zum Ende wird es kurz erfor­der­lich, die Fahr­rä­der über 50 Meter an einem Strand­ab­schnitt zu tra­gen.

Playa Mond­ra­go eig­net sich bei wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren auch für einen bele­ben­den Sprung in die sanf­ten Wel­len. Uns hat aber indes der Regen erreicht und so suchen wir unter ein paar Bäu­men ein wenig Schutz und mun­te­ren uns mit unse­ren Vor­rä­ten auf.

Oh oh! - und nu? Wir fahren weiter!
Oh oh! — und nu? Wir fah­ren wei­ter!

Mit abklin­gen­dem Regen set­zen wir unse­re Rou­te fort. Die Küs­ten­or­te sind schön anzu­schau­en, laden viel­fach zum Ver­wei­len bei einem Kaf­fee ein. Wir erlau­ben uns jedoch kei­ne Pau­se… bis uns erneut sturz­fluss­ar­ti­ger Regen die Wei­ter­fahrt ver­wehrt. Bäu­me lie­fern genau­so wenig Schutz wie die Wind­ja­cken. Und so sind wir das ers­te Mal bis auf die Haut nass. Ein klei­ner Tief­punkt ist erreicht.

Wenn man nass ist und friert, gibt es zwei Mög­lich­kei­ten: Eine War­me Unter­kunft, hei­ße Dusche und ein Süpp­chen suchen oder in die Peda­le tre­ten und den Kör­per von innen auf­hei­zen. Also ab auf den Sat­tel; die nächs­te Regen­wel­le lässt jedoch nicht lang auf sich war­ten. Ver­zwei­felt und durch­nässt suchen wir Zuflucht, wäh­rend wir uns ste­tig Calo­gne näh­ren. Unter­schlupf fin­den wir nur unter einer Arka­de. Der Schutz vor Wind und Regen bie­tet uns die Mög­lich­keit, den Tages­fort­gang abzu­wä­gen.

Wir trot­zen dem Regen und fah­ren die Haupt­stra­ße nach Fel­a­nitx mit wenig Blick für die Land­schaft. Ein hei­ßer Tee wärmt uns auf. Der Regen hat sich mitt­ler­wei­le gelegt und Wil­li kommt stolz mit 4 Plas­tik­tü­ten für zwei Paar Füße von Schle­cker zurück. Der Ent­schluss steht fest: Sant Sal­va­dor wird ange­gan­gen!

Es geht los! Das Wetter wird besser, die Spannung steigt, San Salvador wartet!
Es geht los! Das Wet­ter wird bes­ser, die Span­nung steigt, Sant Sal­va­dor war­tet!
San Salvador in Nebel gehüllt
Sant Sal­va­dor in Nebel gehüllt

Bereits bei der Anfahrt klart der Him­mel ste­tig auf, die ers­ten Son­nen­strah­len wär­men uns und wir begin­nen mit der Auf­fahrt in die Wol­ken — Die Spit­ze Sant Sal­va­dors ist nicht zu sehen. Es ist ein unglaub­li­ches Natur­er­leb­nis, die Flo­ra wech­selt, man hat das Gefühl, das medi­ter­ra­ne Kli­ma für einen Augen­blick zu ver­las­sen. Oben ange­kom­men, hat­ten wir uns einen Kaf­fee ver­dient. Das Wet­ter hon­n­o­rier­te unse­re Stra­pa­zen zusätz­lich mit auf­kla­ren­dem Him­mel und einer wei­ten Aus­sicht vom Stein­kreuz. Das Klos­ter mit den Welt­meis­ter­tri­kots des Bahn­rad­fah­rers Guil­ler­mo Timo­ner im Vor­raum und die Klos­ter­kir­che mit baro­cken Hoch­al­tar sind einen Besuch wert. Es ist auch mög­lich, hier ein Zim­mer zu mie­ten, die Kon­di­tio­nen sind uns nicht bekannt.

Die Son­ne trock­net unse­re Klei­dung. Was sie in der knap­pen Stun­de Auf­ent­halt nicht schafft, wird schon der Wind bei Abfahrt erle­di­gen. Die Abfahrt beflü­gelt unse­re Sin­ne, es ist über­wäl­ti­gend in der anspruchs­vol­len Stra­ßen­si­tua­ti­on das Fahr­rad zu kon­trol­lie­ren. Eine Gopro-Auf­zeich­nung durf­te nicht feh­len, wäh­rend sich die Son­ne bereits leicht neigt und wir die Ser­pen­ti­nen hin­un­ter­ja­gen.

Das erfreu­li­che Wet­ter gibt uns neue Kraft und so wird die Stre­cke nach Por­to Chris­to ziel­ori­en­tiert abge­ra­delt. Nach einem kur­zen und leich­ten Anstieg führt die Stre­cke kon­ti­nu­ier­lich berg­ab und ehe wir uns ver­se­hen, errei­chen wir Por­to Chris­to mit der Abend­son­ne.

Das Tou­ris­mus­bü­ro ist selbst­ver­ständ­lich schon geschlos­sen, so dass wir nur die Ein­woh­ner nach einer preis­lich mode­ra­ten Unter­brin­gung fra­gen kön­nen. Hilfs­be­reit wie die Mal­lor­ki­ner sind, wird uns Hotel Filip genannt. Das Preis­ni­veau und das grau­haa­ri­ge Publi­kum ver­an­las­sen uns nach einer Stär­kung bei Bur­ger King wei­ter­zu­su­chen. Eine Inter­net­ab­fra­ge hilft uns nur bedingt wei­ter. Tele­fo­nisch kön­nen wir kein Hos­tal im Ort errei­chen und es stellt sich uns die Fra­ge, ob nicht die Fahrt nach Mana­cor als nächst­ge­le­ge­ne grö­ße­re Stadt das Sinn­volls­te wäre.

Por­to Cris­to ist vor allem den Tou­ris­ten für die in der Nähe befind­li­chen Höh­len bekannt. Es sei an die­ser Stel­le erlaubt vor­ab zu sagen, dass wir auf die­se Attrak­ti­on ver­zich­ten wer­den. In der Nähe die­ser Höh­len wer­den wir aber hin­sicht­lich Unter­brin­gung fün­dig. Kun­den­re­zen­sio­nen zum Hotel Mon­te Ver­de zeu­gen nicht von Qua­li­tät oder Stan­dards. Die­se teils ver­nich­ten­den Bewer­tun­gen kön­nen wir auch nicht von der Hand wei­sen. Die Not, eine Unter­kunft zu haben, ver­an­lasst uns jedoch in die­sem Haus dem nächt­li­chen Gewit­tern zu trot­zen. Zum Glück hat Kon­ni einen tie­fen Schlaf und so hat er sich halb­wegs erholt und mit rie­si­gem Appe­tit an den Früh­stücks­tisch gesetzt; Wil­li ist nicht ganz so erholt und schwer bei Lau­ne zu hal­ten — kurz­um zum Früh­stück: ver­dünn­tes Kaf­fee­kon­zen­trat und Toast mit Lab­ber­speck sind einer Beno­tung nicht wür­dig. Dazu künst­li­cher O-Saft und Corn­flakes.

Hotel Monte Verda - Das -2 Sterne Hotel ist keine Emüfehlung wert
Hotel Mon­te Ver­da — Das -2 Ster­ne Hotel ist kei­ne Emp­feh­lung wert

Eine Über­nach­tung mit Früh­stück für 45€ ist für Por­to Chris­to ein ver­nünf­ti­ger Preis. Bad mit Wan­ne, gro­ßer Bal­kon mit Blick über Por­to Cris­to nach Süd­os­ten, nor­mal ein­ge­rich­te­tes Schlaf­zim­mer und Wohn­zim­mer, jedoch kein W-Lan, die Koch­ni­sche noch nicht nutz­bar, bei Regen feuch­te Wän­de und Decken. So wech­sel­haft wie das Hotel kün­digt sich auch das Wet­ter an, der Tag ver­spricht nicht viel Eupho­rie, doch man soll ihn ja nicht vor dem Abend loben.

Der dritte Abschnitt — 111 km (Strecke bei Endomondo ansehen)

  • Start: Por­to Chris­to (Hotel Mon­te Ver­de)
  • Ziel: Alcu­dia (Hos­tal Fon­da Llabres)
mallorca-mit-rennrad-umrunden-christo-alcudia

In Por­to Cris­to hält uns nichts, nicht ein­mal die Höh­len, die auf allen Stra­ßen­schil­dern ange­kün­digt wur­den. So schnell wie mög­lich ver­las­sen wir das “Kaff” und vor allem das geils­te minus zwei Ster­ne Hotel Mon­te Ver­de. Die Ent­schei­dung über Wei­ter­fahrt oder Abwar­ten über­las­sen wir tat­säch­lich mal einer Mün­ze. Und sie ent­schei­det, dass wir sofort auf­bre­chen sol­len.

In Cala Mil­lor decken wir uns mit den Tages­vor­rä­ten ein. Meh­re­re Bana­nen, ein Joghurt­drink, ein Red Bull, Gebäck und Süß­kram fül­len unse­re Ruck­sä­cke. Und mit dem Wet­ter kom­men wir auch lang­sam in Fahrt. Wir schies­sen in die nächs­te Ort­schaft, in der Wil­li noch zwei Fahr­rad­schläu­che erwirbt — mit nur einem Reser­ve­schlauch für zwei Fahr­rä­der fährt es sich etwas unsi­cher.

Wir kom­men mit uns­rer Pla­nung etwas durch­ein­an­der — Ziel ist es erst Cala Rat­ja­da mit Bade­pau­se und Leucht­turm­be­such anzu­fah­ren und von dort aus nach Arta auf­zu­bre­chen. In ver­bis­se­ner Fahrt mer­ken wir zu spät, dass wir unbe­wusst auf Arta zusteu­er­ten. Zwi­schen den Zin­nen mit Blick über die Land­schaft stär­ken wir uns ein wenig. Die Wall­fahrts­kir­che ist ein loh­nens­wer­tes Aus­flugs­ziel, wenn sie auch mit ihrer ver­gleichs­wei­se klei­nen Erhö­hung rein renn­rad­tech­nisch kei­ne beson­de­re Her­aus­for­de­rung stellt.

Ausblick auf Atra
Aus­blick auf Atra

Da wir erst bei der Stär­kung fest­stel­len, dass wir eine Etap­pe aus­ge­las­sen haben, wird kur­zer­hand die Stre­cken­füh­rung geän­dert: das Deutsch­tou­ris­mus­hoch Cala Rat­ja­da wird nicht aus­ge­las­sen! Spon­ta­ni­tät ist ja nicht gera­de unse­re Schwä­che.

Es geht kon­ti­nu­ier­lich berg­ab und so galop­pier­ten wir mit knap­pen 50 km/h im Durch­schnitt über die PMV-4042 (sehr gut aus­ge­baut) auf die Schall­mau­er zu und dann über die 404 schließ­lich nach Cala Rat­ja­da. Kon­ni kennt die Gegend von sei­nem letz­ten Mal­lor­ca­be­such und navi­giert uns ziel­ge­rich­tet an den schöns­ten Strand in der Nähe von Die­ter B.’s Vil­la.

Cala Ratjada - wow? wow!
Cala Rat­ja­da — wow? wow!

Gleich­zei­tig frischt der Wind ein wenig auf, so dass sich die ers­ten Pau­schal­ur­lau­ber vom Strand ver­zie­hen oder die Pull­over über­wer­fen. Nur eine ein­sa­me Nixe wagt es, sich im küh­len Wel­len­bad auf­zu­hal­ten. Ihrem Bei­spiel fol­gend, furcht­los und inner­lich zusätz­lich zum Renn­rad­fah­ren von einem Strand­kaf­fee erhitzt, tau­schen wir prompt die Renn­rad­ho­se gegen die Bade­ho­se und unse­re Kör­per­hit­ze gegen die wohl­tu­en­de Fri­sche des Mee­res. Wil­lis Rücken begeg­net einer ängst­li­chen Qual­le, die ihm klar mit­teilt, dass das Meer ihr Gebiet ist.

Nach­dem die Beweis­fo­tos sicher im Kas­ten sind — auch für Renn­rad­fah­rer gehört sich ein Sprung ins küh­le Nass — stei­gen wir wie­der auf die Bikes und radeln wei­ter. Auf unse­rem Weg, der uns gezwun­ge­ner Maßen wie­der in die Rich­tung von Atra führt, haben wir lei­der noch das Ver­gnü­gen, den für Deutsch­land ach so typi­schen Sauf­ur­lau­bern zu begeg­nen. Fremd­schä­men war noch nie so ein­fach. Bloß schnell weg …

So schnell wie wir in Cala Rat­ja­da ange­reist sind, so lang­sam ver­las­sen wir es auch. Die 6 km bis Atra gestal­te­ten sich nicht beson­ders leicht: Gegen­wind und eine kon­ti­nu­ier­li­che Stei­gung hin­dern uns am flot­ten Fort­kom­men. Kurz vor Atra neh­men wir wie­der eine ver­nünf­ti­ge Rei­se­ge­schwin­dig­keit auf, zie­hen an Can Picaf­ort vor­bei und lan­den schließ­lich nach ca. 40 km in Puer­to de Alcu­dia. Da sich der Tag nun lang­sam dem Ende nähert, ver­zich­ten wir auf den sonst so obli­ga­to­ri­schen Kaf­fee am Strand und suchen die Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on in der 2 km ent­fern­ten Stadt Alcu­dia auf.

Alcu­dia ist ein schö­nes Städt­chen mit zum Teil erhal­te­ner Weh­mau­er und zum Spa­zie­ren und Ver­wei­len ein­la­den­den Stadt­kern. Solch ein tou­ris­ti­scher Anzie­hungs­punkt braucht einen adäqua­ten Ort der Hul­di­gung — in wahr­schein­lich gesuch­tem Kon­trast zur geschichts­träch­tig anmu­ten­den Alt­stadt ste­hen kal­ter Beton und rie­si­ge Glas­flä­chen, schar­fe Kan­ten, schief­wink­li­ge Ecken im Wider­spruch zu run­den Öff­nun­gen. Die­ses nicht zu über­se­hen­de Meis­ter­werk der gewag­ten Archi­tek­tur dient nicht nur einem Selbst­bild­nis der Stadt, es beher­bergt auch die Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on.

Das ers­te ange­fah­re­ne Hos­tal mit­ten in der Alt­stadt stell­te uns mehr als zufrie­den: die Fens­ter zum ruhi­gen Inn­nen­hof, eine hel­les Atri­um, das mit Sitz­ecke zum ent­spann­ten Lesen ein­lud, Dach­ter­ras­se, WLAN, Wäsche­lei­ne. Doch damit war die heu­ti­ge Tour noch nicht abge­schlos­sen. Ein spätnachmittaglicher/ abend­li­cher Aus­flug an die Land­spit­ze ist zu emp­feh­len, kurz vor­weg: dem geplan­ten Kaf­fee am Leucht­turm stan­den unüber­wind­ba­re Bar­rie­ren im Weg.

Die Ruck­sä­cke lie­ßen wir im Zim­mer zurück und nah­men Fahrt in Rich­tung Tala­ia d’Alcudia auf um die Land­spit­ze und den Leucht­turm errei­chen. Die Stre­cke hat einen mitt­le­ren Anspruch, die Stra­ßen sind in einem sehr guten Zustand und Autos eine Sel­ten­heit. Kurz­um eine Fahr­rad­idyl­le. Der als per­sön­li­ches Ziel gesetz­te Leucht­turm steht bereits im mili­tä­ri­schen Sperr­ge­biet, bis zum in einen Tun­nel ein­ge­las­se­nen Stahl­tor emp­fiehlt sich den­noch die Fahrt, dafür sind die Stra­ße und der Aus­blick über die weit­ge­streck­te Bucht mit sich nei­gen­der Son­ne­zu ein­la­dend. Wenn man vor dem Tor wie eine Kuh vorm Stall einen Augen­blick ver­weilt, klin­gelt auch das Tele­fon. Kon­rad war so freund­lich und so neu­gie­rig; nahm den Hörer ab; kein Eng­lisch; die Grund­in­fo ist den­noch klar: Auf­for­de­rung zu kei­nen Fotos und zum Ver­las­sen des unmit­tel­ba­ren Zufahrts­be­rei­ches – oder so ähn­lich halt. Schnell noch ein klei­ner Witz zu einem mög­li­chen Rake­ten­ab­wehr­schirm, zum ver­meint­li­chen Uboot­ha­fen und ein paar Fotos, dann konn­ten wir Umkeh­ren.

Auf dem Weg zur Nordostspitze - sehr gute und leere Straßen, herrlich anmutende Kurven und Flora
Auf dem Weg zur Nord­ost­spit­ze — sehr gute und lee­re Stra­ßen, herr­lich anmu­ten­de Kur­ven und Flo­ra

Auf dem Rück­weg bie­tet sich noch der klei­ne Auf­stieg in gol­de­nem Licht bis zur Ermi­ta de la Vik­to­ria an, spä­tes­tens jetzt soll­te der Hun­ger und die Vor­freu­de auf ein groß­zü­gi­ges Abend­brot da sein. Da uns ein def­ti­ges Mahl sehr trä­ge macht, ent­schlos­sen wir uns im Hotel-Restau­rant „la Vik­to­ria“ zu einem Kaf­fee, spran­gen dann wie­der in die Sät­tel und schos­sen hin­ab Rich­tung Mal Pas in abend­li­cher luf­ti­ger Däm­me­rung, schließ­lich durch das Ört­chen hin­durch und einer hei­ßen Dusche in der Unter­kunft ent­ge­gen.

Es wurde spät... mit der Sicherheit unserer Unterkunft konnten wir uns aber die ruhige Minute nehmen und uns abermals von Mallorca verzaubern lassen
Es wur­de spät… mit der Sicher­heit unse­rer Unter­kunft konn­ten wir uns aber die ruhi­ge Minu­te neh­men und uns aber­mals von Mal­lor­ca ver­zau­bern las­sen

Im Hos­tal nah­men wir schnell eine Dusche und spran­gen in das Lokal gegen­über, um unse­ren Kall­ori­en­haus­halt wie­der auf­zu­fül­len. Die vor­her uns als groß und lecker ange­prie­se­ne Lachs-Spa­ghet­ti und die Bru­schet­ta als Vor­spei­se-Por­ti­on haben unse­re hohen Erwar­tun­gen nicht ent­täuscht. Zu köst­lich waren die Spei­sen zube­rei­tet – an eine Unter­hal­tung war nicht zu den­ken. Beim Essen sicker­te auch die Müdig­keit durch, bei Wital­li mehr als bei Kon­rad, der sich nach dem Essen noch eine Cer­ve­za sin alco­hol auf der Dach­ter­as­se geneh­mig­te um ein paar Zei­len zu schrei­ben, wäh­rend Wital­li bereits die Augen schloss.

Hos­tal Fon­da Llabres 48 € / 2 Pers., sau­ber, Mög­lich­keit zum Wäsche­trock­nen, Ter­ras­se, Mög­lich­keit Früh­stück hin­zu­zu­bu­chen

Der vierte Abschnitt — 80 km (Strecke bei Endomondo ansehen)

  • Start: Alcu­dia (Hos­tal Fon­da Llabres)
  • Ziel: Pol­len­ca (Refu­gi de Pont Roma, Pri­vat­un­ter­kunft)
mallorca-mit-rennrad-umrunden-alcudia-pollenca

Der Sturm der Nacht hat­te sich am Mor­gen gelegt, da die Stra­ßen noch leicht feucht waren, beschlos­sen wir die Tour etwas spä­ter auf tro­cke­nen Stra­ßen zu begin­nen. Nach kur­zer Suche nah­men wir die ers­ten Kalo­ri­en des Tages in Form eines Hühn­chen­ba­guettes auf. Punkt 12 Uhr ver­lie­ßen wir unser Zim­mer, und setz­ten unse­re Tour in Rich­tung Port de Pol­len­ca fort. Haupt­ziel des Tages war Cap Formen­tor, der nörd­lichs­te Punkt Mal­lor­cas, 18 km von Port de Pol­len­ca ent­fernt und wider Erwar­ten mit beträcht­li­chen Stei­gun­gen ver­se­hen. Der ers­te Auf­stieg gelang trotz müder Bei­ne recht pro­blem­los. In einer kur­zen Pau­se an dem Aus­sicht­punkt tauch­ten wir zwi­schen die vie­len Tou­ris­ten. Die atem­be­rau­ben­de Sicht auf Port de Pol­len­ca sowie auf die klei­nen Buch­ten 300 Meter unter uns muss­ten fest­ge­hal­ten wer­den. Ach wie sehnt man sich der Blick nach de end­lo­sen Wei­ten des offe­nen Mee­res, ein magi­sches Blau im end­lo­sen Hori­zont ver­schwin­dend.

Ausblick auf Port de Pollenca
Aus­blick auf Port de Pol­len­ca
Und in die andere Richtung
Und in die ande­re Rich­tung

An Höhen­me­tern reich­te uns das nicht, wir woll­ten mehr. Also ging es noch­mals berg­auf zum Tor­re de Alber­cu­tx, einer klei­nen Turm­rui­ne auf der Spit­ze des Ber­ges. Die Aus­sicht kann man nur mit einem Wort beschrie­ben: Wahn­sinn! Ein per­fek­ter Rund­um­blick. Traum­haft.

Nach eini­gen Turn­übun­gen an dem Turm — wohl­ge­merkt Wital­lis bis­her höchs­te human flag — hieß es: GoPro auf­set­zen und abwärts…

… und wie­der auf­wärts. Schier unend­lich zog sich die leich­te Stei­gung von ca. 5% bis fast zum Leucht­turm durch, immer wie­der durch kur­ze Abfahr­ten als Ver­schnauf­pau­se unter­bro­chen. Die Land­schaft, die wir auf dem Weg pas­sier­ten, war mehr als beein­dru­ckend. Lei­der ist Cap Fer­men­tor für Tou­ris­ten nicht unbe­kannt, so muss­te man sich mit vie­len Miet­wa­gen arran­gie­ren, aber bei dem mitt­ler­wei­le per­fek­tem Wet­ter schau­ten die­se durch das Kli­mage­blä­se sicher etwas nei­disch auf uns her­über. Meter für Meter schlepp­ten wir uns berg­auf, grüß­ten wie­der mal die Berg­zie­gen und mal­ten uns in den Köp­fen aus, wie wir in einem ande­ren Urlaub sicher auf die­sem Berg wan­dern gehen wer­den.

Die letz­ten 500 Meter ging es berg­ab und wir erreich­ten den Leucht­turm, leicht ver­schwitzt, müde, aber glück­lich. Wäh­rend sich die ande­ren an den über­teu­er­ten Köst­lich­kei­ten, die dort ange­bo­ten wur­den, sät­tig­ten, speck­ten wir unse­re Ruck­sä­cke ein wenig ab. In Anbe­tracht der Zeit war die Pau­se nicht von lan­ger Dau­er, reich­te jedoch voll­kom­men aus, um sich an dem herr­li­chen Anblick satt zu sehen.

Ausblick vom Cap Formentor
Aus­blick vom Cap Formen­tor

Der Rück­weg war nicht ein­fa­cher und wur­de von Kon­rads auf­kei­men­dem Knie­schmerz beglei­tet. Doch ver­lang­sa­men soll­te uns das nicht und so waren wir bei­na­he im Hand­um­dre­hen wie­der oben und fuh­ren mit sat­ten 50 km/h abwärts nach Port de Pol­len­ca, wo wir uns end­lich dem wohl­ver­dien­ten Kaf­fee wid­me­ten, der so lan­ge auf uns war­ten muss­te.

Kaffee in Port Pollenca, die Karte am Cap Fermentor gekauft, konnte nun beschrieben werden
Kaf­fee in Port Pol­len­ca, die Kar­te am Cap Fer­men­tor gekauft, konn­te nun beschrie­ben wer­den

Unse­re Unter­kunft woll­ten wir in Pol­len­ca suchen, da wir davon aus­gin­gen, dass wir in der gro­ßen Stadt eher fün­dig wer­den als im Tou­ris­ten­ma­gnet von Hafe­nört­chen. Also noch­mals auf die Bikes und rein in die Peda­le für wei­te­re 4 km nach Pol­len­ca. Dort gestal­te­te sich die Suche wider Erwar­ten deut­lich schwie­ri­ger als erwar­tet. Jeder durch­weg hilfs­be­reit emp­fahl uns die Her­ber­ge an der klei­nen Brü­cke Pont de Roma. Wir haben aber nicht beach­tet, dass es mitt­ler­wei­le Sams­tag war. Erst jetzt wur­den wir dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass die Mal­lor­ki­nen ihre Insel auch sehr zu schät­zen wis­sen und ger­ne am Wochen­en­de in den Ber­gen um Pol­len­ca um dem All­tag zu ent­kom­men wan­dern gehen. So muss­ten wir am Refu­gi­um Pont Roma erfah­ren, dass es kei­ne frei­en Bet­ten mehr gibt. Es sei hier kurz ange­merkt, das Wital­lis erbar­mungs­lo­ser Fahr­stil nicht nur zur Ermü­dung unse­rer Bei­ne, son­dern auch des Mate­ri­als geführt hat. Wäh­rend er sei­nen Rei­fen erneut wech­sel­te, hal­fen mir die Lei­ter des Refu­gi­ums mit nicht enden wol­len­der Hilfs­be­reit­schaft eine Unter­kunft zu fin­den. Auch die nächst­ge­le­ge­nen Rufu­gii waren aus­ge­bucht, Das Hotel in der Stadt schreck­te uns mit european Stan­dards und geho­be­ner Preis­ka­te­go­rie ab. Die Ret­tung in der Stun­de war eine net­te Dame in der Nach­bar­schaft. . Unser Glück kaum fas­send nah­men wir das Ange­bot an und eine Stun­de spä­ter leg­ten wir unse­re Sachen in einer wun­der­schö­nen Vil­la nie­der, die für die­se Nacht ein­zig und allein nur uns zur Ver­fü­gung stand.

Da die Son­ne noch weit über dem Hori­zont hing, beschlos­sen wir noch die schö­ne Bucht Sant Vin­cent auf­zu­su­chen, die wir inner­halb von 15 Minu­ten erreich­ten. In der Bucht betrach­te­ten wir noch den schö­nen Son­nen­un­ter­gang vor male­ri­scher Berg­ku­lis­se. Der Fel­sen Cavall Ber­nat­wirft zwei Mal im Jahr einen Schat­ten, der wie ein Rei­ter aus­sieht. Uns bot sich die­ser Anblick nicht.

Vincent im Sonneruntergang
Vin­cent im Son­ner­un­ter­gang

Die Rück­fahrt gestal­te­te sich recht flott, da unse­re Mägen knurr­ten. Wir aßen eine hei­ße Sup­pe als Vor­spei­se, gefolgt von einer Hän­chen­keu­le mit Kar­tof­fel­brei, dazu eine Karaf­fe Land­wein, die uns im Refu­gi Pont Roma als Abend­essen ser­viert wur­den. Im Refu­di­um gibt es jeden Tag typi­sche Mal­lor­ki­ni­sche Haus­manns­kost. Zum Ende spiel­ten noch eine Run­de Schach und bega­ben uns dann in die Vil­la. Dort erfreu­ten wir uns an der herr­li­chen Dusche und der abso­lu­ten Stil­le. Ein­schla­fen war kein Pro­blem – once again, wel­co­me to Para­di­se!

Der Wecker klin­gel­te gegen 7 Uhr. Die Berg­etap­pe stand auf dem Plan und wir woll­ten früh auf den Rädern sein. Ein gutes und soli­des Früh­stück gab es für 4 Euro pro Per­son in Pont Roma: Etwas Brot und Toast„ ein Saft, selbst­ge­mach­te Mar­me­la­de, Schin­ken, Käse … und natür­lich Kaf­fee, den wir in den wär­men­den Son­nen­strah­len genos­sen.

Der fünfte Abschnitt — 90 km (Strecke bei endomondo ansehen)

  • Start: Pol­len­ca (Vil­la)
  • Ziel: Port de Soller (Refu­gi Mul­e­ta)
mallorca-mit-rennrad-umrunden-pollenca-port-soller

Punkt 9 Uhr fan­den wir uns auf dem ers­ten Anstieg der Etap­pe. Die Bei­ne vom Vor­tag noch nicht erholt, beweg­ten sich nur wider­wi­lig auf den Peda­len und dem­entspre­chend kro­chen wir müh­sam den Berg hoch. Ein wenig sehn­süch­tig fuh­ren wir an eini­gen Leu­ten vor­bei, die Klet­te­re­quip­ment aus­lu­den. Die Vor­stel­lung in der hei­ßen Son­ne an einem Fel­sen hoch­zu­stei­gen beflü­gel­te die Fan­ta­sie, doch die­ses Equip­ment bestehend aus Gur­ten, Seil und Schu­hen zusätz­lich zu trans­por­tie­ren bie­tet sich mit dem Renn­rad nicht an, . Es kann nur eine reso­lu­te Ant­wort geben: der nächs­te Mal­lor­ca-Urlaub darf nicht lan­ge auf sich war­ten las­sen: Wir möch­ten so bald wie mög­lich Moun­tain­bi­ken, Klet­tern und Kajak­fah­ren!

Nach die­ser kur­zen geis­ti­gen Abschwei­fung wie­der zurück zum kraft­zeh­ren­den Auf­stieg. Nach eini­gen Kilo­me­tern und nach­dem wir hin­sicht­lich des schwe­ren Gepäcks von einem zügi­gen Rad­ler fra­gend beäugt wur­den, fan­den wir uns auf der Spit­ze des Coll de Feme­nia in 515 Meter Höhe wie­der.

Coll de Femenia
Coll de Feme­nia

Die Abfahrt ende­te zu schnell im Tal Lluc, am Klos­ter.

Lluc
Klos­ter Lluc

Wir dreh­ten eine klei­ne Ori­en­tie­rungs­run­de auf dem Gelän­de und beschlos­sen, die nächs­te Stei­gung in Angriff zu neh­men. Unse­re Bei­ne waren immer noch nicht moti­viert, da über­hol­te uns grü­ßend und fro­hen Mutes eine Grup­pe ambi­tio­nier­ter älte­rer Her­ren. Dan­kend nah­men wir die Auf­stiegs­hil­fe an, klemm­ten uns hin­ter die Grup­pe und radel­ten gemüt­lich die Beschwer­den der Bei­ne über­hö­rend mit ca. 18km/h den Berg auf­wärts. Unter den Rad­fah­rern gibt es durch­aus auch sport­lich ambi­tio­nier­te­re Grup­pen, die womög­lich ein sol­ches Ver­hal­ten nicht immer mit Gelas­sen­heit hin­neh­men wür­den.

Aufstiegshilfe ;)
Auf­stiegs­hil­fe 😉

An der Abzwei­gung nach Sa Calo­bra mach­ten die Her­ren eine Pau­se, wir hin­ge­gen bedank­ten uns für die gemein­sa­me Fahrt und setz­ten den letz­ten kur­zen Auf­stieg fort, um uns am Coll dels Reis auf 682 Metern Höhe wie­der­zu­fin­den. Eine kur­ze foto­gra­fi­sche Doku­men­ta­ti­on — in uns­ren Augen eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Trotz Son­ne wur­den Pull­over und Wind­ja­cke über­ge­wor­fen, denn es ist erstaun­lich wie schnell der Kör­per bei den Abfahr­ten aus­küh­len kann.

Was nun folg­te, ist schwer zu beschrei­ben. Ein Muss, es selbst zu erle­ben. Die Abfahrt nach Sa Calo­bra woll­te mit ihren 10km Län­ge und einem Gefäl­le von etwa 7% in wun­der­vol­le Kur­ven bis zu 360° gehüllt nicht enden. Immer wie­der die rasan­te Beschleu­ni­gun­gen auf über 60 km/h, die Fin­ger an den Brem­sen kramp­fend, sich immer mehr in die Kur­ven leh­nend. Trotz die­ses unglaub­li­chen Fahr­erleb­nis­ses darf man nicht ver­ges­sen, dass jedes Jahr Rad­fah­rer ihr Kön­nen über­schät­zen, in Leicht­sinn Kur­ven schnei­den und immer wie­der in den Ser­pen­ti­nen töd­lich ver­un­glü­cken. Im klei­nen Hafen ange­kom­men, geneh­mig­ten wir uns einen wär­men­den Kaf­fee, um die Fin­gen und die See­le auf­zu­tau­en, die Freu­de über die Fahrt war uns buch­stäb­lich vom Gesicht abzu­le­sen.

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Doch das Schöns­te kam noch: Es ist eine der tou­ris­ti­schen Attrak­tio­nen Sa Calo­bras, der Grund für Bus­se vol­ler Tou­ris­ten, die sich die Stra­ßen nach unten und wie­der hoch­schlep­pen. Eine, durch einen Fels­spalt zu errei­chen­de Bucht, bei­den Sei­ten von hohen Klip­pen umge­ben, lag voll­kom­men ver­steckt und nur durch einen höh­len­ar­ti­gen Tun­nel erreich­bar in einer Fels­schlucht, die sich weit ins Gebir­ge zog.

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Der an den Füßen etwas unan­ge­neh­me Kie­sel­strand und die Not­wen­dig­keit sich zwi­schen den Tou­ris­ten umzu­zie­hen hin­der­te Kon­rad nicht dar­an sich in die erfri­schen­den Wel­len zu wer­fen. Wital­li indes konn­te einer ande­ren Ver­su­chung nicht wider­ste­hen: Die hoch empor­ra­gen­den, zer­klüf­te­ten Fel­sen zogen ihn magisch an. –Lei­der ohne Siche­rung hat man sich auf Boul­d­er­hö­hen beschrän­ken müs­sen, wie ger­ne hät­ten wir in die­sem Moment Seil und “fri­ends” (Klemm­kei­le zur Siche­rung) bei uns geführt, um die Fel­sen voll­ends zu erklim­men.

Nach einer Stär­kung an einer in der Mikro­wel­le auf­ge­wärm­ten und über­teu­er­ten Tou­ri-Piz­za, wag­ten wir den Auf­stieg. Die 10km, die wir vor kur­zer Zeit hin­ab­ras­ten, schlän­gel­ten wir uns nun bestän­dig unter einer Stun­de wie­der hoch. Etwa 500m vor dem Ziel ent­deck­ten wir eine von Quell­was­ser gespeis­te Ein­fas­sung, die wir zur Erfri­schung nutz­ten. Welch ein Glücks­ge­fühl, sich wie ein Pferd Kopf­über in dem Becken zu trän­ken!

Vol­ler Freu­de und ent­spannt von den im eis­kal­ten Nass gekühl­ten Köp­fen lie­ßen wir uns den kur­zen Abschnitt bis zur Kreu­zung rol­len. Die nächs­te Stei­gung nah­men wir mit Leich­tig­keit. Denn uns erwar­te­ten zwei Berg­se­en und eine — von dem herz­li­chen Refu­gi­um Pont Roma orga­ni­sier­te — Unter­kunft im Refu­gi­um Mun­e­ta.

Der Puig Major lag vor uns. End­lich soll­te der höchs­te (asphal­tier­te) Punkt der Insel erklom­men wer­den. Meter um Meter kämpf­ten wir uns nach oben. Tun­nel waren auch zu pas­sie­ren, wir hiel­ten ord­nungs­ge­mäß vor Ein­fahrt an der Sei­te, um die Fahr­rad­be­leuch­tung zu befes­ti­gen, stell­ten jedoch fest, dass sie nicht wirk­lich nötig gewe­sen wäre. Nach dem ers­ten Tun­nel tauch­te vor uns auch der ers­te Berg­see auf. Das Was­ser von tür­ki­ser Far­be und einer majes­tä­ti­schen Erha­ben­heit. Wir schos­sen unser obli­ga­to­ri­sches “Hey, we’ve been the­re foto” und steu­er­ten auf den zwei­ten See “Cober” zu, an dem wir eine kur­ze Pau­se ein­leg­ten, um eini­ge Kalo­ri­en zu uns zu neh­men und unse­re Ruck­sä­cke um eini­ge Liter Cola und Was­ser zu erleich­tern.

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Irgend­wie hat­te Kon­rad es geschafft, sich vor dem Pick­nick mit sei­nem Bike abzu­le­gen. Ein Wind­stoß riss ihn bei artis­tisch anmu­ten­den Stand­übun­gen um — es war wohl höchs­te Zeit für die Pau­se. Nach der Stär­kung power­ten wir mit neu­er Ener­gie wei­ter in Rich­tung Puig Major. Lan­ge genos­sen wir nicht den Tri­umph, ihn bezwun­gen zu haben. Wir atme­ten ein­mal tief durch, zogen die Wind­ja­cken über und saus­ten mit 50 km/h im Durch­schnitt die längs­te Abfahrt unse­rer Tour, ca. 12km her­un­ter. An der Kreu­zung zwi­schen Soller und Port de Soller kam das Blut wie­der lang­sam in die Fuß- und Fin­ger­glie­der und die Käl­te, ja bei­na­he der Frost, wich aus unse­ren Adern. Die Son­ne ver­moch­te es uns wie­der auf­zu­wär­men, wäh­rend wir die Igle­sia de Sant Bar­to­meu im Zen­trum von Soller erreich­ten und uns bei einer Kugel Eis die ein­fah­ren­de Bum­mel­bahn anschau­ten. Die Suche nach einem Ein­kaufs­zen­trum gaben wir auf, nach­dem uns ein Anwoh­ner sag­te: hoy es dom­in­go, senor. es ist Sonn­tag.

Soller
Soller

Die Ein­stel­lung die letz­ten Höhen­me­ter hin­ter uns gebracht zu haben muss­ten wir revi­die­ren. Ein kur­zer Abriss der fol­gen­den 4 Stun­den: wir erreich­ten Port de Soller, fan­den das Refu­gi­um Mul­e­ta ganz oben auf der Fels­spit­ze neben dem Leucht­turm (recht müh­se­lig waren die letz­ten Meter für die blei­er­nen Bei­ne), fuh­ren wie­der zum Strand, leg­ten uns in die Son­ne, setz­ten uns danach in ein klei­nes Restau­rant, muss­ten danach wie­der hoch (und noch schwe­rer waren die Bei­ne), dusch­ten, spiel­ten zum Tages­ab­schluss eine Run­de Schach und schlie­fen noch vor Mit­ter­nacht tief und fest ein. Was für ein Tag! Ah, ¡que dia!

Ausblick auf Port Soller - Blick von Höhe des Refugiums aus
Aus­blick auf Port Soller — Blick von Höhe des Refu­gi­ums aus

Der sechste Abschnitt

  • Start: Port de Soller (Refu­gi Mul­e­ta)
  • Ziel: Pegue­ra (Hos­tal Maria)
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Der frü­he Vogel fängt den Wurm – oder ein biss­chen mehr Früh­stück. So gegen 7 Uhr schlepp­ten wir uns in die auf­ge­hen­de Son­ne. Früh­sport stand auf dem Pro­gramm, ein per­fek­ter Baum für Klimm­zü­ge, Bän­ke für Dips und Lie­ge­stüt­ze. Nun war auch das Refu­gi­um-Früh­stück ange­rich­tet. Die Uhr im Hin­ter­kopf nah­men wir Brot mit Schin­ken, Käse und Mar­me­la­de zu uns, Kaf­fee mit Aus­blick auf die Wei­te des Mee­res, In Soller füll­ten wir unse­re Vor­rä­te wie­der auf und nah­men den die ers­te Auf­stiegs­etap­pe des Tages in Angriff.

Und weiter geht's!
Und wei­ter geht’s!

Die Ober­schen­kel mel­de­ten sich sehr zei­tig, da wir ihnen kei­nen ein­zi­gen Ruhe­tag gegönnt haben. Doch wir sind zäh.Zwei bis drei Kilo­me­ter und eini­ge Höhen­me­ter spä­ter spie­gel­te sich die Müdig­keit nur noch in dem Tem­po wie­der — Unse­re Bli­cke waren wie­der auf die Land­schaft gerich­tet, vor allem auf die traum­haf­te Küs­ten­li­nie, an der wir den gan­zen Tag ent­lang fah­ren wür­den. Je wei­ter wir fuh­ren, umso öfter schau­ten wir in den Him­mel, der sich ganz lang­sam ver­dun­kel­te. Erst graue, etwas spä­ter schon schwar­ze Wol­ken brei­te­ten uns ein wenig Sor­gen — und ließ uns erah­nen, was uns unaus­weich­lich bevor­stand. Viel zu früh war es dann soweit: Die Son­ne hat den Kampf gegen die dich­ten Wol­ken ver­lo­ren und es begann zu reg­nen. Der ers­ten Regen­wel­le konn­ten wir unter einer Hal­te­stel­le trot­zen. Die zwei­te erwisch­te uns an einer schö­nen Abfahrt. Die Hoff­nung war ver­ge­bens, die­se tro­cken zu über­ste­hen. — es soll­te nicht sein. Klitsch­nass roll­ten wir in ein klei­nes Dorf ein, in dem wir das ers­te Lokal anfuh­ren, um uns zu trock­nen und an einem Tee zu wär­men. Wir konn­ten nicht wider­ste­hen, die Piz­za, die wir ver­putz­ten, war exqui­si­te. Die Wei­ter­fahrt wur­de nur noch ein Mal vom auf­kei­men­den Regen beglei­tet, bevor die Tem­pe­ra­tu­ren wie­der zunah­men, je west­li­cher wir kamen, je gerin­ger unse­re Höhe war.

Ausblick auf Port de Valdemossa
Aus­blick auf Port de Val­de­mos­sa

Eine Abfahrt mit zwin­gend fol­gen­der Auf­fahrt à la Sa Calo­bra in Erin­ne­rung an den Vor­tag muss­ten wir in die­se Etap­pe noch ein­bau­en. Die etwa 6 km lan­ge Ser­pen­ti­ne nach Port de Val­de­mos­sa in der Nähe von S’Arxiduc hat aus Renn­rad­lie­be gelohnt, immer­hin gab es in dem Zehn­see­len­dorf einen guten Kaf­fee. Nach­dem die Kur­ven wie­der erklom­men waren ging es haupt­säch­lich berg­ab. Die 8 km lan­ge Abfahrt ent­schä­dig­te für die gan­zen Stra­pa­zen. Mit 60–65 km/h über­hol­te Kon­rad sogar einen Klein­bus – Don Chi­chot­te hat­te sei­ne Wind­müh­le gefun­den. Schnur­stracks ras­ten wir auf And­ra­tx zu und ent­schie­den dort den klei­nen Umweg nach St. Elm zu neh­men. Trotz Müdig­keit erreich­ten wir das klei­ne Hafen­städt­chen in einem beacht­li­chen Tem­po. Der Anblick vom west­lichs­ten Ört­chen auf die Insel Sa Dra­go­ne­ra lohnt sich. Und das Bes­te dar­an: Knal­lend hei­ße Son­nen­strah­len begrüß­ten uns an der Land­spit­ze. Die nas­sen Sachen aus den Ruck­sä­cken raus gezo­gen und auf der klei­nen Mau­er zum Trock­nen für eine 45 minü­ti­gen Pau­se aus­ge­legt bewirk­te wah­re Wun­der. Zudem klet­ter­te auch das Lau­nen­ba­ro­me­ter wie­der nach oben: es gibt doch nichts Schö­ne­res als vol­ler Zufrie­den­heit über die bewäl­tig­te Stre­cke – die Ber­ge sind bezwun­gen – die brei­te Brust der Son­ne ent­ge­gen zustre­cken.

Der Sonnentrockner in St. Elm
Der Son­nen­trock­ner in St. Elm

Der Lau­nen­ba­ro­me­ter beweg­te sei­nen Zei­ger nach oben und wir radel­ten zurück zur Haupt­stra­ße. Wital­li hat sich auf dem Weg noch kurz über­legt, dass es beim Abstei­gen doch mal inter­es­sant wäre, den rech­ten Cleat in der Peda­le ste­cken zu las­sen. An die­ser Stel­le haben wir das aller­ers­te Mal ein Mul­ti­tool ver­misst, denn der Cleat ließ sich mit­tels pri­mi­ti­ver Werk­zeu­ge schnell befrei­en, aber zum Wie­der­an­schrau­ben fehl­te uns der pas­send-geform­te Stein. Drei­clea­tig ging es in Rich­tung Pegue­ra.

Glück im Unglück: Wir haben uns ver­fah­ren, tra­fen jedoch auf einen net­ten deut­schen Her­ren, der mit einem pas­sen­den Imbus­schlüs­sel aus der klei­nen Pan­ne hel­fen konn­te. Wie­der auf der rich­ti­gen Stra­ße sam­mel­ten wir die rest­li­chen Kräf­te und steu­er­ten Pegue­ra an.

Pegue­ra, ein Traum? Wohl kaum! Ich ent­sin­ne mich an Zei­ten, in denen die Mög­lich­keit dis­ku­tiert wur­de auf die­ser Insel ein 17tes Bun­de­land die­ser emsi­gen Repu­blik zu fin­den. Der Zusam­men­hang zu Pegue­ra? Bei der Durch­fahrt nur deut­sche Loka­le, deut­sche Spra­che über­all, wo man hin­hör­te, ob nun unaus­steh­li­che Schla­ger oder Lock­sprü­che in die Geschäf­te. Ein­zig spa­nisch an Pegue­ra war an dem Tag das Wet­ter. Aber same pro­ce­du­re as at every place – (der Leser mag sofort an Kaf­fee den­ken) Wir steu­er­ten die Tou­riin­fo an, die­se war bereits geschlos­sen, jedoch sag­te uns eine freund­li­che Spa­nie­rin, dass wir uns an Ihren Ehe­mann wen­den könn­ten, die­ser ken­ne sich in dem Ört­chen sehr gut aus. Selbst­ver­ständ­lich sprach er deutsch und hat uns 3 Über­nach­tungs­op­tio­nen emp­feh­len kön­nen, uns die jewei­li­gen Vor­zü­ge auf­ge­zeigt und Essens­vor­schlä­ge unter­brei­tet. Als ers­tes fuh­ren wir das Hos­tal Maria an und hat­ten Glück noch ein Zim­mer für den Tag zu bekom­men. Wir konn­ten den Preis etwas zu unse­ren Guns­ten anpas­sen und waren zufrie­den mit einem Zim­mer mit zwei Bet­ten direkt am Strand für 18 Euro pro Per­son inkl. Früh­stück.

Peguera
Pegue­ra

Nach einer wohl­tu­en­den Dusche stärk­ten wir uns weni­ge Meter ent­fernt in einer Imbiss­bu­de und betrach­te­ten die vor­bei­lau­fen­den krebs­ro­ten Tou­ris­ten. Anschlie­ßend genos­sen wir in einer Bar direkt neben dem Hos­tal einen Kaf­fee, oder waren es zwei?, wie auch immer, nutz­ten das WLAN, um uns upzu­da­ten und fie­len kur­ze Zeit spä­ter tod­mü­de in die Bet­ten.

Die letzte Etappe (Strecke bei endomondo ansehen)

  • Pegue­ra
  • Playa de Pal­ma (Rad­ab­ga­be Hotel Gran Fies­ta)
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Pegue­ra konn­te in unse­ren Augen mit Por­to Chris­to hin­sicht­lich sei­ner Facet­ten an Attrak­ti­vi­tä­ten kon­kur­rie­ren. Ein Ört­chen, das auf Strand­ur­laub aus­ge­legt ist, bie­tet bei ver­han­ge­nem Him­mel und der Aus­sicht auf Regen wenig Anrei­ze zu ver­wei­len. Kurz­um, dem Stra­ßen­zug mit T-Shirt-, Bril­len- und Schmuck­ge­schäf­ten, dem obli­ga­to­ri­schen Spar und dem hilfs­be­rei­ten Juwe­lier haben wir nach einem ange­neh­men und aus­ge­dehn­ten Früh­stück des Host­als schnell den Rücken gekehrt. Vor­ab fuh­ren wir noch einen im Ort befind­li­chen Hürz­ler-Ser­vice-Point an um auf die letz­ten Kilo­me­ter für opti­ma­len Druck auf den Rei­fen zu sor­gen. Am Ser­vice-Point haben wir die Öff­nungs­zei­ten für Pal­ma erfragt — bis 19:00 müs­sen wir die Fahr­rä­der abge­ge­ben haben. Ein vol­ler Tag also noch zum Rad­fah­ren, nur kein ein­la­den­des Wet­ter.

So wirk­lich woll­te uns der Ort nicht zie­hen las­sen. Zunächst führ­te uns der Stra­ßen­ver­lauf zu einer Schnell­stra­ße Rich­tung Pal­ma. Das ungu­te Gefühl der schnel­len Autos im Rücken ver­süßt einem nicht die Fahrt, so dass wir beschlos­sen ent­lang der Küs­te eine ruhi­ge­re Rou­te zu fin­den. Die­se Ent­schei­dung mün­de­te in der Not­wen­dig­keit etwa einen Kilo­me­ter die Fahr­rä­der durch unbe­fes­tig­tes Ter­rain zu tra­gen — zumin­dest eine Mög­lich­keit noch­mal ein inni­ges Ver­hält­nis zum Draht­esel auf­zu­bau­en. Schie­ben war ges­tern, Alu­bikes möch­ten getra­gen wer­den.

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Vie­le Kilo­me­ter sind es nun nicht mehr bis Pal­ma. Mit ca. 30 fla­chen, größ­ten­teils abfal­len­den Kilo­me­tern nur eine gute Stun­de vom Miet­punkt ent­fernt, muss­ten wir noch eine Etap­pe in den Tag ein­bau­en. Beson­ders ein­falls­reich waren wir nicht, so soll­te erst ein Kap mit Leucht­turm und im Anschluss ein Berg ange­fah­ren wer­den.

Kurz­um, den Abzweig auf der Stre­cke zum Cala en Sopa und dem Leucht­turm haben wir ver­passt, unse­re Stre­cke soll­te uns teil­wei­se wie­der leich­te Anstie­ge hoch zu einer Bucht Namens Cala Port de Vells in der Nähe des Ört­chens Sol de Mal­lor­ca füh­ren. Sicher kein Geheim­tip, die Stra­ßen sind zwar in aus­ge­zeich­ne­tem Zustand, aber es erwar­tet einen eine Bucht wie jede ande­re. Sicher wer­den jedoch der ver­han­ge­ne Him­mel und die Gewöh­nung an die traum­haf­ten Berg­pas­sa­gen der nörd­li­chen Ber­ge star­ken Ein­fluss auf unser Emp­fin­den aus­ge­übt haben. Man ist nun ver­wöhnt.
Mit immer noch tro­cke­nem Him­mel haben wir eine Bucht erreicht, es bot sich nur nicht mehr an den Kaf­fee am Strand zu trin­ken, der Wind wur­de stär­ker und die Kell­ner waren bereits flei­ßig mit dem Abbau der Tische beschäf­tigt — sie schie­nen schon mit dem kom­men­den Regen akzep­tiert zu haben, den wir nicht für wahr hal­ten woll­ten. Nicht eines Bes­se­ren belehr­bar, beharr­ten wir auf die­se letz­te Fahr­rad­tour.

Unse­re Stre­cke führ­te uns nun wie­der Rich­tung Nor­den und gera­de­wegs auf die tief­grau­en Wol­ken zu. Nächs­tes Ziel soll­te das grö­ße­re Städt­chen Cal­via sein. Die ein­zel­nen Ort­schaf­ten wie zum Bei­spiel die als Bal­ler­mann berüch­tig­ten Küs­ten­dör­fer Pal­ma Nova oder Magaluf lie­ßen wir man­gels Inter­es­se links lie­gen — für uns pass­te das nicht unbe­dingt in das von der Ten­denz doch eher sport­lich ori­en­tier­te Pro­gramm. Oder Kurz­um: um die­se Art des Elends zu sehen brau­chen wir nicht in den Urlaub zu flie­gen.

In Cal­via wur­de es Zeit die Spei­cher zu fül­len. Sowohl 3 Liter Was­ser in die Fla­schen als auch eine ordent­li­che Por­ti­on Essen in den Magen waren nötig. Klei­ne Super­märk­te mit einer Flei­scher­ab­tei­lung bie­ten häu­fig die Mög­lich­keit auf Nach­fra­ge an, für einen gerin­gen Auf­preis Bröt­chen oder Brot zu bele­gen. Ganz typisch mit dem mit Toma­te ver­set­zen Öl anstatt But­ter und für uns mit reich­lich Ser­ra­no Schin­ken belegt. Als Bei­la­ge Gemü­se, im Nach­gang Obst und Trink­jo­ghurt und viel­leicht noch ein Scho­ko­hörn­chen.

mmmh... eine willkommene Stärkung
mmmh… eine will­kom­me­ne Stär­kung

Die­sen Genuss unter frei­em Him­mel im Son­nen­schein zu haben, hät­te sicher die Stär­kung per­fekt gemacht. Lei­der haben uns statt­des­sen die schon lan­ge mit Arg­wohn betrach­te­ten Wol­ken erreicht und der Tag begann sich nun ein­zu­reg­nen. Zuflucht vor die­sem Wet­ter suchend stell­ten wir uns an einem Haus­ein­gang unter, flo­hen dann doch sehr bald auf den Rädern zu einem Café, um uns im Schut­ze der Wär­me zu einem klei­nen “Kri­sen­stab” zu ver­schan­zen.

Rosi­ta, eine Froh­na­tur mitt­le­ren Alters und ver­mut­lich auch die Inha­be­rin des klei­nen Cafés, wuss­te uns mit ihrem bri­ti­schen Akzent und klei­nen Spit­zen zum Wet­ter bei Lau­ne zu hal­ten. Ein köst­li­cher Kaf­fee gab uns zudem die Kraft und den Wil­len, aber­mals die bewähr­te Tüten­me­tho­de anzu­wen­den, uns auf einen nas­sen Hin­tern vor­zu­be­rei­ten und trotz nas­ser Stra­ßen bei schwä­cher wer­den­dem Regen wie­der einen Anstieg anzu­ge­hen, ande­re Renn­rad­fah­rer ver­län­ger­ten lie­ber die Zwangs­pau­se.

So kämpf­ten wir uns einen Berg hoch, der seit­lich nur nicht ein­la­den­de Tore zu vor Bli­cken geschütz­ten Vil­len hat­te, bis wir uns nach einer wei­te­ren Kur­ve und wei­te­ren Vil­len­zu­fahr­ten die Sinn­lo­sig­keit die­ser Stre­cke vor Augen führ­ten. Auch der Rück­weg mit einer vor­sich­ti­gen Abfahrt wegen der nas­sen und glat­ten Stra­ßen ist kei­ne Nach­emp­fin­dung wert.
Am Anfang des Anstie­ges voll­brach­te es Kon­rad sich ein zwei­tes und letz­tes Mal abzu­le­gen, die nas­se Stra­ße in Ver­bin­dung mit einem abhe­ben­den Vor­der­rad beim Antritt und einer gehö­ri­gen Por­ti­on Unge­schick­lich­keit soll­ten für einen blau­en Fleck am Hin­tern sor­gen.

Dieser unnötige Regen...
Die­ser unnö­ti­ge Regen…

Sobald wir die Haupt­stra­ße erreicht haben, hieß es nun wie­der kräf­tig und zügig unge­ach­tet des immer­wäh­ren­den Regens in die Peda­le zu tre­ten und ohne Pau­se über Por­tals Nous und die ande­ren Küs­ten­or­te nach Pal­ma rein­zu­fah­ren. In Pal­ma ange­kom­men wichen wir von der Stra­ße auf die Rad­stre­cke ent­lang der Küs­te aus, mit einer nicht uner­heb­li­chen Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung (zuläs­sig sind 15 km/h), schar­fen Brems­ma­nö­vern an 90° Kur­ven und Zur­sei­te­trei­ben ande­rer Fahr­rad­fah­rer haben wir ohne den schö­nen Strän­den und Küs­ten­ab­schnit­ten unse­re Beach­tung zu schen­ken Plat­ja de Pal­ma erreicht und gaben durch­ge­fro­ren, durch­nässt und mit fast vol­len Was­ser­re­ser­ven die Fahr­rä­der ab.

Die Abga­be war voll­kom­men pro­blem­los, die Fahr­rä­der wur­den nicht akri­bisch nach etwai­gen neu­en Män­geln unter­sucht.

Tja, zum Ende dann die schwie­ri­ge Hür­zeler­fra­ge: Schlauch oder Socken? Kon­rad hat den Schlauch behal­ten, Socken hat­te er genug. Wital­li hat genug Schläu­che und ent­schied sich für schwei­zer Funk­ti­ons­so­cken mit rie­si­gem wei­ßem Kreuz in rotem Feld.

Die Fahr­rä­der waren wir nun wie­der los, der Urlaub also auch fast zu Ende. Die kal­te kle­ben­de Klei­dung am Kör­per woll­ten wir unbe­dingt los­wer­den. Durch­fro­ren und durch­nässt gab es nur einen Wusch — eine hei­ße Dusche. Wir gönn­ten uns einen Sau­na­be­such, wel­che erst nach einer Ewig­keit warm wur­de. Zugang zu einer war­men Dusche hat­ten wir nicht, so set­zen wir uns gemein­sam in die Ein­mann­zel­le an Sau­na, um uns auf­zu­wär­men.

Die 700 km sind wir nun nicht ganz in den 7 Tagen gefah­ren, Schuld trägt natür­lich nur das Wet­ter.

Als wir wie­der eini­ger­ma­ßen gesell­schafts­fä­hig das Hotel ver­lie­ßen, trau­ten sich die ers­ten Son­nen­strah­len vor­sich­tig durch die Wol­ken­de­cke. Das Abschluss­pro­gramm war soweit klar: Bekann­tes Hos­tel in Pal­ma auf­su­chen, Sachen able­gen und einen guten Platz zum Essen fin­den.

Mit dem Bus fuh­ren wir zum Pla­ca Espa­gna, von dort soll­ten es etwa 10 Fuß­mi­nu­ten zur bekann­ten Unter­kunft sein. An die­ser Stel­le brau­chen wir nicht näher zu erläu­tern, dass wir tat­säch­lich den Namen und die Adres­se von Hos­tal Bra­vo ver­ges­sen haben und Stun­den mit der Suche nach der klei­nen Sei­ten­stra­ße mit müden Bei­nen und knur­ren­dem Magen ver­bracht haben. Die Lau­ne war im Kel­ler, sel­ten kann man solch ein welt­frem­des Ver­hal­ten beob­ach­ten, erst recht nicht an sich selbst. Pla­ca Major haben wir sicher 10 mal gekreuzt, Stän­di­ge Wie­der­erken­nun­gen — Pla­ca d’Olivar, der Ort an dem wir Eis geges­sen haben, die­ser Baum ist auch bekannt, hier ist das Rat­haus, hier die Dro­ge­rie … Sicht­lich erschöpft und erleich­tert haben wir das Hos­tal schluss­end­lich doch noch gefun­den. Um ein Haar wären wir aber­mals vor­bei gelau­fen.

Nun nur noch das Restau­rant fin­den, dass uns ein gan­zes Schwein zube­rei­tet und wir wer­den gut schla­fen kön­nen.

Vorzüglich! Lizarra ist ein Tip zu jeder Stunde, ob Frühstück, Kaffee oder Abendbrot
Vor­züg­lich! Lizar­ra ist ein Tip zu jeder Stun­de, ob Früh­stück, Kaf­fee oder Abend­brot

Die sehens­wer­te Fes­tung Bell­ver haben wir nicht mehr auf­su­chen kön­nen, die­se letz­te Attrak­ti­on der Rund­fahrt hält sich uns für den Herbst warm, wenn es wie­der heißt, ein Stück­chen Para­dies spü­ren und den eige­nen Kör­per wie­der aus­fah­ren.

Fazit

Mal­lor­ca mit dem Renn­rad umrun­den — geht!

Wir haben viel gese­hen, hat­ten jede Men­ge Spaß und Her­aus­for­de­run­gen, konn­ten unse­re zuvor erlern­ten Spa­nisch­kennt­nis­se mit Erfolg ein­set­zen, haben viel guten Kaf­fee getrun­ken und waren end­los begeis­tert von der mal­lor­ki­ni­schen Natur und dem Kli­ma.

Wir hat­ten Glück mit dem Wet­ter und mit dem Fin­den der Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten. In der Haupt­sai­son ist ein sol­ches Unter­fan­gen wohl kaum mög­lich. Alle Men­schen, denen wir begeg­net sind, waren stets freund­lich. Das spricht sehr für die Insel.

Wir kön­nen es kaum abwar­ten, erneut auf der Insel in die Peda­le zu sprin­gen. Ers­te Ide­en zur Rou­ten­än­de­rung sind schon gefasst. So soll der sport­li­che Aspekt mit geziel­ten Trai­nings­tou­ren zu einer höhe­ren Leis­tungs­fä­hig­keit füh­ren. Ruhe­ta­ge wer­den uns mit kur­zen Aus­fahr­ten die Kul­tur der Mal­lor­ki­nen näher­brin­gen.
Ein drit­ter Anlauf so auch nicht zu lan­ge auf sich war­ten las­sen: Klet­tern, Wan­dern, Moun­tain­bi­ken, Kajak fah­ren… das Ange­bot an Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ist schier unend­lich.

Mal­lor­ca auf dem Renn­rad ist unse­rer­seits eine abso­lu­te Emp­feh­lung! Auch jetzt, einen Monat spä­ter, hält die Begeis­te­rung an.

Habt ihr Fra­gen? Dann schreibt uns eine Mail oder hin­ter­lasst einen Kom­men­tar.

Konni & Willi

16 Antworten auf „Mallorca mit dem Rennrad umrunden — Der Bericht“

  1. Moin Jungs,
    da habt ihr euch aber ganz schön Mühe gege­ben mit eurer Sei­te.

    Zu euren gefah­re­nen Stre­cken ein lieb gemein­ter Tipp:
    Ich fah­re mit einer Gie­ven­be­cker Trup­pe seit 20 Jah­ren auf Mal­le, dadurch ken­ne ich die Insel ein wenig.
    Man kann (ähn­lich wie im Müns­ter­land) auf Mal­le auch viel asphal­tier­te Wirt­schafts­we­ge fah­ren.
    Da sind dann deut­lich weni­ger Autos unter­wegs und man ist weni­ger gefähr­det (jedes Jahr wer­den meh­re­re Renn­rad­fah­rer platt gefah­ren).

    Ins­be­son­de­re Ori­ent (von Bun­yo­la aus) und das Zen­trum von Petra loh­nen sich.
    Oder der Col de Vent von Pal­ma nach Cal­via. Oder …

    Unter http://www.gpsies.de mal nach Stre­cken von Scout­Ket­te­Rechts suchen, da bekommt ihr ein paar Ater­na­ti­ven.

    Lie­be Grü­ße & wei­ter­hin viel Spaß
    Micha­el

  2. Glück­wunsch und Respekt zu der gei­len Tour!
    Mal­le hat so vie­le schö­ne Facet­ten, der nor­ma­le Tou­ri bekommt sie gar nicht zu sehen. Daher habt ihr es genau rich­tig gemacht, nur mit zu wenig Zeit.
    Wenn ihr noch mal was gei­les plant: Ab in die Pyre­nä­en. Schaut mal auf mei­nen you­tube Kanal, viel­leicht fin­det ihr eini­ge Anre­gun­gen.
    Gruss aus dem Müns­ter­land
    Hen­ry

    1. Hi Hen­ry und dan­ke für den Tipp. Wir schau­en auf jeden Fall in dei­nem Chan­nel vor­bei. Mal sehen, was sich für 2014 ein­rich­ten lässt.

      Lie­ben Gruß

    1. Hal­lo Kat­rin,

      vie­len Dank für dei­nen Kom­men­tar. Für 2014 war im Früh­jahr etwas ange­dacht, muss­te aber ins Was­ser fal­len. Aber viel­leicht ergibt sich noch etwas Spon­ta­nes. Mal sehen.

      Bist du denn häu­fi­ger dort?

  3. Super Bericht! Genau das hab ich gesucht! Wer­de in 2 Wochen star­ten. Rou­te gefällt mir…werd ich größ­ten­teils übernehmen…top! In wel­chem Monat wart ihr da? Meinst m Mai muss man de Unter­künf­te schon vor­re­ser­vie­ren?
    Bin gespannt auf euren nächs­ten Rei­se­be­richt. Lässt sich schön lesen.

    Lie­be Grü­ße aus Nürn­berg

    1. Hal­lo Nina, schön, dass dir unser Bericht gefal­len hat 😉

      Wir waren Anfang Mai dort. Am 14.5. hin und am 22.5. waren wir wie­der in Deutsch­land. Zu dem Zeit­punkt (vor zwei Jah­ren) hat das auch ohne Buchun­gen wun­der­bar geklappt.

      Nächs­te Woche sind wir wie­der dort, also vom 28.4. bis 5.5. — Mal sehen, wie das wird. Wir wer­den berich­ten. Wenn du vor dei­nem Flug noch Infos benö­tigst, mel­de dich gern.

      Gruß nach Nürn­berg

  4. Habe durch Zufall Eure Sei­te endeckt und gleich rich­tig ver­schlun­gen. Super Bericht und ganz tol­le Vide­os. Bin seit vie­len Jah­ren auf Mal­lor­ca zum Renn­ra­deln und habe eini­ges wie­der erkannt.
    Lie­be Grü­ße aus Zeven im Land­kreis Rotenburg/Wümme

    1. Hal­lo Robert und dan­ke für dei­nen Kom­men­tar! Freut uns, dass es dir gefal­len hat.

      Wir sind gera­de dabei den Bericht von der dies­jäh­ri­gen Tour fer­tig­zu­stel­len und hof­fen, dass auch die­ser Anklang fin­det 😉

      Schö­nen Gruß,
      Wil­li

  5. Mit gro­ßem Inter­es­se haben wir eure Berich­te von 2013 und 2015 gele­sen und eini­ge von euch beschrie­be­ne Orte besucht (Alcu­dia, Pol­len­ca, Port de Pol­len­ca, Sa Calo­bra, Soller, Port de Soller, San Sal­va­dor…). Wir sind zwar kei­ne Renn­rä­der, son­dern ein Auto gefah­ren, konn­ten aber trotz­dem euren Emp­feh­lun­gen fol­gen.
    Dabei haben wir einen gro­ßen Respekt vor den Leis­tun­gen der Renn­rad­fah­rer, die schwe­re Ser­pan­tin­stras­sen hoch- und run­ter­fah­ren, gewon­nen.
    Beson­ders aber haben uns eure Ruck­sack-Rei­sen ohne geplan­ten Unter­künf­te fas­zi­niert.
    Vie­len Dank für die tol­len Berich­te! Wir freu­en uns auf die neu­en!
    Ganz lie­be Grü­ße
    Alla und Lil­li

  6. Hey; es hat wirk­lich Spaß gemacht eure Rei­se zu ver­fol­gen. Ich hät­te auch noch­mal ne Fra­ge. Wir über­le­gen im März auch hin­zu­flie­gen und eine Rad­tour zu machen. Da wir jedoch echt kei­ne Pro­fi­sport­ler sind macht mir das doch etwas Beden­ken. Schafft man sowas gut mit mitt­le­rer Kon­di­ti­on? Eure Kilo­me­ter Anzahl kommt mir für mich selbst jetzt recht viel vor. Was meint ihr, wie viel ist da rea­lis­tisch gese­hen pro Tag zu schaf­fen, 40–50km, da wir auch nicht so schnell fah­ren?
    Lie­be Grü­ße, Elli

    1. Hal­lo Elli und dan­ke für dein Feed­back. Zu dei­ner Fra­ge: Wenn ihr bereits (Renn)Raderfahrung habt, so soll­ten Stre­cken zwi­schen 50–100 Kilo­me­ter zu schaf­fen sein.. Natür­lich macht es ein Unter­schied, ob man eher im fla­chen Land (Süden, Osten) unter­wegs ist oder kras­se Anstie­ge (Nor­den, Wes­ten) bezwin­gen muss. Um alles etwas ent­spann­ter zu gestal­ten, wür­de ich emp­feh­len, eine Unter­kunft im Nor­den (Polen­ca, Port de Polen­ca, Can Picaf­ort) zu buchen und von dort täg­li­che Tou­ren zu star­ten. Zu Beginn eher Rich­tung Osten, um den Kör­per ans Rad und Kli­ma zu gewöh­nen, dann Rich­tung Zen­trum und erst am drit­ten Tag Rich­tung “Formen­tor”. Wenn das alles gemeis­tert wur­de, so kann man sich durch die Berg­etap­pen jagen.

  7. Hal­lo Wil­li !
    Ich will mich zu aller erst bei euch bedan­ken für die­se genia­le Inspi­ra­ti­on und die per­fek­ten Rei­se­infor­ma­tio­nen. Als ich euren Bericht gele­sen hat­te, war mir klar, dass ich die­se Rund­tour unbe­dingt auch fah­ren möch­te. Im Herbst letz­ten Jah­res konn­te ich noch zwei Freun­de begeis­tern. Und so ging es den am 6.4.2019 los. Wir haben uns beim Huer­ze­ler Räder gemie­tet und sind eure Rou­te nach gefah­ren. Na ja, mit einer Aus­nah­me. Das Cap Fer­men­tor bei Por­te Polen­ca haben wir aus­ge­las­sen, weil wir Angst hat­ten (wir sind schon etwas älter, 50 Jah­re und nicht mehr ganz so ath­le­tisch gebaut wie ihr) uns wür­den dann die Kör­ner fürs Tra­mon­ta­na feh­len. Wie sich her­aus­stell­te war das völ­li­ger Quatsch. Alles in Allem war die­se Run­de noch viel schö­ner als wir uns das vor­ge­stellt hat­ten. Land und Leu­te sind außer­halb der Sai­son ent­spannt, freund­lich und gedul­dig bei der Hand- und Fuß- Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ich wer­de die­se Tour bestimmt nicht das letz­te mal gemacht haben, und dan­ke euch noch­mals für die­se super tol­le Idee.
    Lie­be Grü­ße ‚Ste­phan

    1. Moin Ste­phan! Vie­len lie­ben Dank für dei­ne Wor­te — Die­se haben mir den Tag ver­süßt! Es freut mich, dass ihr das klei­ne Aben­teu­er gewagt und letzt­end­lich auch genos­sen habt. Und vor allem DANKE fürs Feed­back 🙂 — Ich wür­de mich sehr über ein paar Fotos von euch und eurer Mal­le-Tour freu­en. Habt ihr die­se evtl irgend­wo online gestellt? Oder könn­test du sie mir via Mail zukom­men las­sen? LG, Wil­li

  8. Hal­lo Wil­li,

    zufäl­li­ger­wei­se bin ich über euren Rei­se­be­richt gestol­pert.
    Da ich selbst erst im Febru­ar mit einem Kum­pel auf Mal­lor­ca war, konn­te ich vie­le Orte und Stre­cken wie­der­erken­nen und sofort kommt die Lust auf eine lan­gen Renn­rad-Aus­fahrt auf der Insel hoch.

    Vor Allem die Stre­cken am Cap Formen­tor und rund um das Klos­ter Lluc (Col de Feme­nia, Col dels Reis und Col de sa Batal­la) hat uns extrem gefal­len, da wir im Febru­ar bei her­vor­ra­gen­dem Wet­ter mit Son­nen­schein und 15–20 Grad die Stra­ßen fast für uns allein hat­ten.

    Falls ihr es bis­her aus­ge­las­sen habt kann ich euch von Arta aus einen Abste­cher zum “Ermi­ta de Bet­lém” sehr emp­feh­len. Land­schaft­lich super schön, Stre­cke nicht so for­dernd wie die Tra­m­un­ta­na aber trotz­dem sehr loh­nens­wert.

    Wenn ihr noch am renn­ra­deln seid, sieht man sich ggf. in Zukunft mal, da ich in Müns­ter stu­die­re.

    Bes­te Grü­ße und Ket­te rechts,
    Sebas­ti­an

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